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zeitig sind auch in anderen Landern dieselben Bestre
bungen mehrfach zur That geworden. In Russland sind
bereits seit mehreren Jahren die Museen in Moskau
und Petersburg mit ihren Schulen thätig; in Stockholm
ist mit geringen Mitteln der Anfang eines Museums
von Vorbildern für die Kunstindustrie muthig gemacht
worden; in Italien trägt man sich trotz aller vorhan
denen Kunstschätze nunmehr ernstlich mit der Grün
dung eines grossen Kunstindustrie-Museums zu Rom
und selbst in Nord-America tritt das Bedürfniss und
das Bestreben um Museen und ihre Schulen an meh
reren Orten gleichzeitig mit grosser Lebhaftigkeit hervor.
So ist die Reform des Geschmacks und der Kunst
industrie auf dem Wege der Lehre und des Unterrichts
eine Culturfrage unserer Zeit geworden, ja sie ist schon
über den Standpunkt der Frage hinaus, denn sie ist
lebendige Thatsache. Der Geschmack ist heute in voller
Wandlung begriffen und kein Zweig der Industrie, kein
Land, selbst Frankreich nicht — ja dieses heute am
allerwenigsten — kann sich der Wandlung entziehen.
In welcher Weise aber diese Reform sich von ästheti
scher Seite vollzieht, welches ihre künstlerischen Merk
male sind, im Gegensatz gegen die frühere Weise und
den bis dahin herrschenden französischen Geschmack,
das werden wir in den beiden nächsten Kapiteln er
örtern.
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