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MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

—  249

losigkeit  verbunden,  die  ganz  insbesondere  auf  den
Hauptstücken,  auf  den  grossen  Gemäldevasen,  liegt.
Alle  Vollendung  der  Malerei  kann  diese  fatale
Eigenschaft  nicht  aufheben  und  um  so  weniger,  als
die  Formen  der  Vasen  nicht  unanfechtbar  sind.  Ein
Töpfer  von  Athen  würde  sie  verläugnen.  Leider  bedingen ­
  diese  Vasen  mit  Grösse  und  Zahl  den  Charakter
der  Berliner  Ausstellung,  während  andere,  minder  auffallende ­
  Gegenstände  die  reizvolleren  sind.  Auch  die
Berliner  Fabrik  geht  auf  ihre  Vergangenheit  zurück  und
sucht  wieder  hervor,  was  einst  von  ihr  Geltung  und
Beifall  hatte.  Aus  dieser  Richtung  —  wahrscheinlich
Copien  der  alten  Muster  —  sind  ein  paar  Services  in
Spätrococo  hervorgegangen,  die  das  Gefälligste  unter
allen  Arbeiten  dieser  Fabrik  sind.  Man  sieht  so  recht,
wie  das  Porzellan  auch  ästhetisch  seine  Grenzen  in
den  Dimensionen  hat;  wer  sie  überschreitet,  thut
es  zu  seinem  Nachtheil.  Die  Berliner  Fabrik  hat  auch
eine  Anzahl  alter  niederrheinischer  Steingutkrüge  in
Porzellan  imitirt,  d.  h.  derbe,  kräftige  Formen  von
rohem  Material  in  einem  eleganten  Stoff,  und  damit
ist  der  Charakter  nicht  unverändert  geblieben;  doch
gehen  auch  in  dieser  veränderten  Erscheinung  die  gesunden ­
  Vorzüge  der  Originale  nicht  verloren.
Trägt  die  Berliner  Fabrik  mehr  classischen  Charakter ­
  —  nicht  gerade  in  der  guten  Bedeutung  des
Worts  —  so  ist  die  königlich  sächsische  zu  Meissen
vom  Rococo  beherrscht,  d.  h.  sie  wiederholt  ihre  alten
Muster  in  Figuren,  Gruppen,  Vasen,  Speisegeschirr  und
anderem  Geräth.  Es  ist  immer  gut,  wenn  uns  diese
            
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