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MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

—  250

Gegenstände  bleiben,  weil  sie  ihre  eigentümlichen,
eben  so  historischen  wie  decorativen  Reize  haben  und
ganz  mit  der  Natur  des  Porzellans  in  Einklang  sind.
Auch  sind  die  Wiederholungen  gut,  wenn  sie  auch  den
alten  Mustern  nicht  immer  gleichkommen,  weder  an
Schärfe  und  Pikanterie  der  Formen,  noch  an  Harmonie
der  Farben.  Doch  sollte  eine  königliche  Fabrik  auch
in  origineller  Erfindung  vorangehen.  Allerdings  ganz
ist  ihre  Fabrication  nicht  auf  das  Rococo  beschränkt.
Eine  Anzahl  schwarzblauer  Vasen  und  Gefässe  mit
zierlichen  figürlichen  Darstellungen  en  cama'ieu,  die
etwa  den  Limosiner  Emails  des  sechszehnten  Jahrhunderts ­
  nachgeahmt  sind  und  unseres  Wissens  von
der  Meissner  Fabrik  zuerst  gemacht  wurden,  bilden  ein
hübsches,  anmutiges  Genre.  Von  einigen  grösseren  antikisirenden
  Vasen  mit  Malereien  lässt  sich  nichts  Anderes
sagen  wie  von  den  Berlinern,  und  noch  weniger  liegen
Teller  mit  Copien  nach  Metzu,  Dow,  Terburg  in  der
Aufgabe  einer  Porzellanfabrik  von  dieser  Art.
Wenn  man  diese  Staatsfabriken  als  Kunstanstalten
in  dem  Sinne  betrachtet,  dass  sie  einem  edlen  Fabricationszweige,
  der  nur  zu  leicht  vom  ordinären  Geschmack ­
  der  Menge  sich  verleiten  lässt,  Führung  und
Richtung  geben,  Halt  und  Muster  sein  sollen,  so  kann  •
man  wohl  kaum  sagen,  dass  sie  ihre  Aufgabe  erfüllen.
Sie  gefallen  sich  in  einsamer  Grösse  und  vereinsamtem
Charakter;  dass  sie  der  Strömung  der  Zeit  Verständnis ­
  entgegentragen,  dass  sie  mit  frischem  Leben,  mit
gesunden  Ideen  vorangehen  und  neue  Bahnen  weisen,
lässt  sich  schwer  behaupten.
            
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