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schiesst er Blitze aus und jeder Blitz fängt momentan
das Auge und ist wieder verschwunden. Und darin
besteht noch dazu seine Schönheit. Die Kunst aber
verlangt Ruhe, Ruhe der Wirkung und Ruhe der
Betrachtung.
Daraus geht denn wohl hervor, dass es für den
Juwelier, will er den Stein künstlerisch und nicht bloss
als Rohmaterial verwenden, mancherlei zu denken und
zu bedenken gibt. Der Diamantschleifer hat keine
andere Aufgabe, als das im Steine schlummernde Feuer
zur höchsten Kraft zu entwickeln, aber der Juwelier
— er soll freilich das Feuer bewahren, aber es einer
künstlerischen Absicht unterwerfen.
Von diesem Standpunkt aus müssen wir nun die
überwiegende Anzahl des Diamantschmucks auf der
Ausstellung und darunter die kostbarsten Gegenstände
für verfehlt betrachten. Die Kunst hat wenig mit ihnen
zu thun; die Kunst des Juweliers erhebt sich in den
meisten Fällen nicht über den Standpunkt des Diamant
schleifers.
Wie gesagt, der Juwelier soll das Feuer und die
Kraft seines Steines wohl der Kunst dienstbar machen,
aber in keiner Weise abschwächen oder vernichten, viel
mehr, wenn es möglich ist, sie erhöhen. Denn entweder
ist das Feuer des Diamanten eine gute Eigenschaft, dann
muss sie auch möglichst entwickelt werden, oder sie
ist es nicht, und dann ist der Stein überschätzt und
für die Kunst untauglich. In dieser Beziehung nun
scheinen uns die modernen Juweliere den alten gegen
über recht zu haben, wenn sie den Diamanten in Silber