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Rosenknospe so gut wie gar keine Wirkung haben.
Man sieht vor dem Geflimmer nicht die Rose, son
dern nur einen Klumpen von Steinen und es ist, als
ob die Strahlen sich gegenseitig aufhöben, sich neu-
tralisirten.
Prüfen wir den Pariser Schmuck von diesem
Gesichtspunkt aus, z. B. eine Rose bei Otterbourg oder
den ähnlichen Schmuck bei Mellerio oder bei öster
reichischen Juwelieren, wie Granichstädten, Emil Bie
dermann, so werden wir überall zu demselben Re
sultat kommen. Ein mit Diamanten besetztes Blatt
ist kein Blatt mehr, weil völlig ohne Bewegung und
ohne sein eigenthümliches Leben ; unter dem un
ruhigen Gefunkel bleibt nur eine unschöne, sinnlose
Figur übrig. Nur diejenigen Blumen halten noch
Stand, welche in sich schon stilisirt, welche sternförmig
und strahlenartig sind, denn damit stehen sie eben in
Harmonie mit den gleichen Eigenschaften des Dia
manten.
Wir kommen hiemit auch auf das rechte Princip
für die Zeichnung, denn nicht alle Zeichnungen, auch
wenn regelmässig und stilvoll gehalten, sind gleich
gut für den Diamanten. Diejenigen sind seiner Natur
am homogensten, welche das Stern- und Strahlen
artige zum Princip , zu einem klar durchgeführten
Princip machen, denn dadurch bezwingen sie seine
Unruhe, dass sie den Strahl seiner Blitze und die
Linien der Zeichnung gewissermassen in dieselbe Bahn
lenken. So dem Gesetz, der künstlerischen Absicht
unterworfen, vermag auch der Diamant ein edles