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Gmünd, Pforzheim, die Schmuckarbeiten als Export
artikel für die Welt fast monopolisirt haben.
Zunächst sind es wohl heute zwei Staaten, die
künstlerisch rivalisirend in diesem Industriezweige auf-
treten und die herrschenden oder leitenden Formen
angeben, wenn wir von speciellen oder nationalen
Landeseigenthümlichkeiten absehen. Das sind Frank
reich und Italien, von denen man wohl sagen kann,
dass jenes die Mode vertritt, dieses aber den absoluten
Standpunkt, doch gilt das nur ganz im Allgemeinen
zu oberflächlicher Charakterisirung. Bis vor wenigen
dahren noch kam hier Italien gar nicht oder sehr wenig
in Frage. Frankreich gab allein die Mode an, welcher
die Juweliere und Goldschmiede des übrigen Europa
folgten. Diese Mode bestand nicht in der wechselnden
oder dauernden Imitation irgend eines ehemals herr
schenden Kunststils, sondern die Phantasie des fran
zösischen Künstlers ersann sich selber ihre Formen,
die höchstens im 18. Jahrhundert Anklänge fanden, im
IJebrigen aber mit der Goldschmiedekunst vergangener
Zeiten nichts zu thun hatten. Wie dieser französische
Schmuck beschaffen war, das sehen wir noch aus zahl
reichen Ueberresten, die mindestens zur guten Hälfte
noch den ordinären Markt aller Culturländer beherr
schen. Zu ihnen gehören die blanken Armbänder und
Brochen mit einem vereinzelten Stein in der Mitte, zu
ihnen die Medaillons mit einem schrägen Band von
Gold oder Steinen darüber, zu ihnen die Armbänder
in Manchettenform, die zahllosen Riemen und Schnallen,
Bänder und Schleifen, Hufeisen und Pferdeköpfe u. s. w.