MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

206 - 
heit und auch vernünftige, sachgemässe Motive fand, 
aber wie es einmal in Frankreich geht, die antiken 
Motive wurden sofort französisirt und mit der grössten 
Willkür behandelt. So z. B. werden die kleinen zier 
lichen Gehänge jetzt überall angebracht, obwohl sie 
eigentlich nur dahin gehören, wo der Schmuck in 
Wahrheit ein hängender ist. Heute sehen wir nun diesen 
französisch gewordenen antiken Schmuck ebenfalls in 
allen Schaukästen unserer Juweliere und Goldschmiede. 
Fr fängt an, der alten Mode die Wage zu halten und 
mischt sich auch mit ihr. Zu den rein antiken Motiven, 
d. h. den griechischen und etruskischen, haben sich nun 
aber auch, da man einmal im Zuge des Imitirens war, 
die übrigen gesellt, insbesondere die ägyptischen und 
auch die byzantinischen. Wer eine Musterkarte haben 
will, der betrachte sich von diesem Gesichtspunkte aus 
den Schmuckkasten des Engländers Hancock. Auch in 
der Schweizer Abtheilung findet er dergleichen, selbst 
mit den beigefügten Etiquetten, die den Stil angeben; 
nur eine Etiquette, auf welcher «Unser Stil« geschrieben 
steht, findet er nicht. 
Die zweite Quelle, eigentlich die ältere, deren 
Erlolg schon der französischen Aufnahme des antiken 
Schmuckes wesentlich zu Gunsten kam, ist Italien. Die 
Imitation der alten, classischen Schmuckarbeiten durch 
die Italiener nimmt einen ganz andern Standpunkt ein 
als die der Franzosen. Diesen, da sie selber keine eigent 
lich erfinderischen Köpfe sind, war es nur um die Fülle 
neuer Motive zu thun, die sie in ihrer freien Weise 
verwertheten. Die Italiener, oder eigentlich, als Pfad-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.