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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Ander auf diesem Gebiete, bekanntermassen die Gold 
schmiedfamilie der Castellani in Rom, trachteten dahin, 
den antiken Schmuck, davon so wundervolle Beispiele 
aufgefunden waren, genau, vollkommen genau nach 
zumachen. Diese Nachahmung schloss aber mehr in 
sich, als das Wort sonst zu sagen pflegt. Gelang sie, 
so war damit zugleich die allerfeinste Technik wieder 
gefunden und die moderne Goldschmiedekunst mochte 
sich sodann jeder Aufgabe gewachsen fühlen. Das war 
aber die französische Goldschmiedekunst bei weitem 
nicht und die des übrigen Europa noch viel weniger. 
Es handelte sich hier in erster Linie um das antike 
Filigran oder vielmehr um das unendlich feine Korn 
desselben, womit die Flächen des Goldschmucks, der 
Ohrgehänge, Fibeln, Halsbänder u. s. w. sammtartig 
überdeckt waren — wie es machen und wie es so ver- 
löthen, dass es die gerade oder gerundete Fläche so 
gleichmässig belegte? Nach jahrelangen Mühen ist 
endlich die Sache ziemlich vollkommen gelungen und 
zwar, wie bekannt, mit Hilfe einiger Arbeiter, welche 
irgendwo entlegen im Gebirge den traditionellen Volks 
schmuck arbeiteten. Wer sich einen Begriff von der 
Feinheit des Korns und damit zugleich von der Schwie 
rigkeit, die zu überwinden war, machen will, der be 
trachte im Schmuckkasten Castellani's zwei kleine 
schwarze Schälchen, die mit solchen Goldkörnchen 
gefüllt sind ; der Anblick allein ist lehrreich und gibt 
genug zum Nachdenken. Die beiden Schälchen erzählen 
eine ganze Geschichte.
	        
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