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Ander auf diesem Gebiete, bekanntermassen die Gold
schmiedfamilie der Castellani in Rom, trachteten dahin,
den antiken Schmuck, davon so wundervolle Beispiele
aufgefunden waren, genau, vollkommen genau nach
zumachen. Diese Nachahmung schloss aber mehr in
sich, als das Wort sonst zu sagen pflegt. Gelang sie,
so war damit zugleich die allerfeinste Technik wieder
gefunden und die moderne Goldschmiedekunst mochte
sich sodann jeder Aufgabe gewachsen fühlen. Das war
aber die französische Goldschmiedekunst bei weitem
nicht und die des übrigen Europa noch viel weniger.
Es handelte sich hier in erster Linie um das antike
Filigran oder vielmehr um das unendlich feine Korn
desselben, womit die Flächen des Goldschmucks, der
Ohrgehänge, Fibeln, Halsbänder u. s. w. sammtartig
überdeckt waren — wie es machen und wie es so ver-
löthen, dass es die gerade oder gerundete Fläche so
gleichmässig belegte? Nach jahrelangen Mühen ist
endlich die Sache ziemlich vollkommen gelungen und
zwar, wie bekannt, mit Hilfe einiger Arbeiter, welche
irgendwo entlegen im Gebirge den traditionellen Volks
schmuck arbeiteten. Wer sich einen Begriff von der
Feinheit des Korns und damit zugleich von der Schwie
rigkeit, die zu überwinden war, machen will, der be
trachte im Schmuckkasten Castellani's zwei kleine
schwarze Schälchen, die mit solchen Goldkörnchen
gefüllt sind ; der Anblick allein ist lehrreich und gibt
genug zum Nachdenken. Die beiden Schälchen erzählen
eine ganze Geschichte.