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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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begriffen war. An der idealistischen Erhebung der 
Malerei und Sculptur am Ende des achtzehnten Jahr 
hunderts nahm die Kunstindustrie keinen Theil. Der 
Geschmack an der Antike während der Zeit der fran 
zösischen Revolution und des ersten Kaiserreichs war 
schon an sich in der Art der Nachahmung keine glück 
liche Erscheinung und blieb zudem eine Episode, die 
mit der Restauration wieder verschwand. Mit der Re 
stauration kam das Rococo wieder zurück, d. h. dieser 
Zopf form- und sinnloser Schnörkel, geschweifter und 
abgebrochener Linien und unregelmässiger Bildungen, 
aber ohne den Reiz geistreicher Einfälle, ohne die zarte, 
wenn auch gezierte Anmuth und Feinheit, welche immer 
noch beim echten Rococo des achtzehnten Jahrhunderts 
eine gefällige und anziehende Seite bieten. Das Rococo 
des neunzehnten Jahrhunderts ist eine unverstandene 
Uebertragung ausgestorbener und unbegriffener Ele 
mente und Motive. Und damit begnügte sich unsere 
vornehme und elegante Welt am Schmuck ihrer Salons, 
an ihrem Mobiliar, an ihrem Tafelgeräth ein halbes 
Jahrhundert hindurch in der gerühmten (Zivilisation 
des neunzehnten Säculums, und unser bürgerliches 
Haus hatte auch nur den verdünnten Abguss davon, 
wenn nicht etwa von »Urväter Hausrath« noch ein ge 
sundes Stück sich erhalten hatte. 
Es kam noch dazu, dass mit den Formen auch 
die Farben ausgestorben waren. Alle guten Kunststile 
haben die Farbe geliebt und jeder unverdorbene Ge 
schmack hat noch heute seine Freude an coloristischen 
Effecten, nur die modernste Civilisation des achtzehnten 
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