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neu war, aber wie sie uns heute erscheint, vom Alter
abgeschliffen und gedämpft, so gibt sie ihren Gegen
ständen die angenehmste warme Färbung, ohne durch
den grellen Glanz der Politur das getriebene Relief
zu stören. Uns ist eine ähnliche Behandlung auch
für das moderne Silber immer als die entsprechendste
Weise erschienen. Die moderne Kunst aber hat oder *
hatte vielmehr nach und nach die Vergoldung so gut
wie aufgegeben.
Dass sie dennoch über ihre Behandlung des Sil
bers selbst ganz und gar in Zweifel ist, dass sie den
Mangel fühlt, der dem Material anhängt, das zeigen
eben auf der Ausstellung die mannigfachen Versuche,
seine Oberfläche zu ändern, zumal dann, wenn es
sich um aussergewöhnliche Arbeiten handelt, die mehr
Kunstansprüche erheben.
Die gewöhnlichste Art der Behandlung — und
sie findet bei dem meisten Geschirr für den Theetisch
und die Tafel statt — ist die, dass man einen Theil
blank polirt und den andern matt macht. Jenes trifft
naturgemäss die glatten Theile, dieses die Ornamente.
Der Anblick ist kein erfreulicher und ist es dann um
so weniger, wenn das Silber noch dazu weiss gesotten
ist, denn damit geht noch das Gute, was es hat, eine
gewisse Milde in seinem Tone, verloren. Als Bei
spiel, wie man in dieser Weise verkehrt und zu seinem
eigenen Nachtheil handelt, führen wir (inmitten der
deutschen Goldschmiedausstellung) solches weissge
sottene Tafelgeschirr von Dominicus Kott in Schwä-
bisch-Gmünd an, Glasschalen tragende Eichbäume mit