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warmen Schimmer abgerieben. Wir gestehen, dass
die Wirkung so wohlthuend ist, dass sie uns mit dem
Silber versöhnt.
Fragen wir nun nach der formellen Seite, so haben
wir schon an einem deutschen Beispiel gesehen, dass
der Naturalismus leider noch nicht ausgestorben ist,
und insbesondere sind es die Fabriken von Silberimi
tationen, bei denen er noch blüht. Aber auch die grosse
Silberausstellung des Engländers Elkington zeigt in Fülle
und Grösse die Glasschalen tragenden Eichen, Palmen,
Farren mit der obligaten Staffage von Hirten und Hir
tinnen, Jägern und Jagdthieren, Mohren und Türken
in freier Sculptur darunter. Dass hier, was in der Natur
an Grösse himmelweit verschieden, auf dieselbe Länge
gebracht worden und so die Nachahmung der Natur
erst recht zur Unnatur geführt hat, das genirt diese
Künstler nicht. Das Höchste von Widersinnigkeit in
diesem Genre hat wiederum ein Deutscher, Bruckmann
in Stuttgatt, geleistet. Er hat es sicherlich Wunder wie
gut zu machen geglaubt, wenn er Motive und Scenen
aus Schwinds »Sieben Raben« in einem hohlen Eichbaum
und um denselben vor sich gehen lässt und dem Eich
baum, in dem Vögel horsten, eine mit vergoldeten
Festons behängte Glasschale zu tragen gibt, und was
des Unsinns mehr ist an diesen allersonderbarsten Gebil
den. Es ist doch merkwürdig, wie oftmals unsere Fabri
kanten so gar keine Ahnung haben von dem, was das
Wesen in der Kunst ist und worauf es ankommt.
Material, Zeit, Arbeit, Kunst werden verschwendet an
die barocksten, thörichtsten Einfälle, um schliesslich