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Zwecke als Tafelaufsatz, da der Gegenstand, als monu
mental und fest gedacht, doch in Wirklichkeit ein sehr
bewegliches und wo möglich handliches Geräth zu bilden
hat. Ist er aber nicht Tafelaufsatz, so ist er eigentlich
gar nichts, denn so ein privates Zimmerdenkmal hat
gar keinen Sinn. Wir müssen daher solche Arbeiten,
wie die zur Erinnerung an die Schlacht von St. Privat,
an den Abend von Rezonville, an die Stiftung des
eisernen Kreuzes, in der Grundidee für verfehlt erachten.
Sollen sie mit für die Tafel bestimmt sein, so müssen
sie auch irgendwie scheinbar oder wirklich sich ihrem
Zw'ecke dienstbar zeigen, z. B. als Pokal oder als
Blumenschale, die sich ja mit künstlerischer Phantasie
ausserordentlich reich und mannigfach austatten lassen.
Wie eine solche Gelegenheitsaufgabe zur Erinne
rung an einen bedeutenden Moment zu lösen ist, dafür
scheint uns Kreling mit seinem grossen Festpokal für
den Herrn von Cramer-Klett in Nürnberg, der ein
Ehrengeschenk zur Erinnerung an das Jubiläum seiner
Maschinenfabrik bildet, den richtigen Weg eingeschlagen
zu haben. Mit seiner schlanken, reichbewegten Bildung,
in der Hauptmasse vergoldet, auf einem Ebenholzpo
stament ruhend, das mit Figuren, eingelegten Ornamen
ten und freien Fruchtgehängen umgeben ist, dient er
vortrefflich seinem Zweck als Schmuck und Mittelpunkt
der Tafel, ohne sich wie ein gemauertes Monument
zwischen die Augen der Gäste zu schieben, und mit
einer Fülle sinnvoll gewählter Beziehungen erläutert er
die Bedeutung des Tages und hält sie fest in der Erinne
rung. Auch diese vom Goldschmied Winter in Nürnberg