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des vornehmen und reichen Publikums in Oesterreich.
Wir können dabei mit Vergnügen bemerken, dass der
Geschmack den Naturalismus verlassen und sich der
Renaissance zugewendet hat, ja wir glauben in dieser
selbst einen Fortschritt zu bemerken, insofern als die
neuesten Arbeiten und Entwürfe im Gegensatz zu an
deren, die wohl edel, aber für das Material zu steif
gebildet sind, freier erscheinen. Wir verweisen in dieser
Beziehung auf das Geräth für den Grafen Chotek, so
wie auf den Tafelaufsatz für Baron Wertheim, der,
schon im Stil der Spätrenaissance gehalten, ganz an
die Entwürfe von Stradanus erinnert. Dieser letztere
Aufsatz hat noch den Vorzug, dass er mit Glück von
der Vergoldung Gebrauch macht.
Mit diesen Arbeiten ist die österreichische Silber
fabrikation auf einem eigenen und in der Hauptsache
auf einem richtigen Wege, nur wäre ihr mehr Freiheit
und mit Hülfe und Anwendung verschiedener Technik
mehr malerische Erscheinung zu wünschen. Das edle
Metall ist eben nicht bloss und rein plastisches Mate
rial, und Lust und Freude der Tafel verlangen vom
Prachtgeräth etwas mehr als den ascetisch entsagungs
vollen bleiernen Ton.
Nur Einen Goldschmied haben wir in Wien, der
sich ganz die farbige Seite seiner Kunst zu eigen ge
macht hat; das ist Ratzersdorfer. Seine Arbeiten sind
allerdings nicht eigentlich Gebrauchsgegenstände, wie
die Silberarbeiten, von denen wir bisher gesprochen
haben, sondern sie stehen auf dem Standpunkte der
Kunstkabinette und der Kunstliebhaberei. In der Wieder-