MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

XXX. 
Email. 
Die Geschichte des modernen Emails ist nicht 
unähnlich derjenigen der modernen Faiencen. Ist das 
selbe auch nicht gerade ein Product der Weltaus 
stellungen, so doch erst ein Kunstzweig der aller 
jüngsten Zeit, der in seiner Entwicklung durch die 
Ausstellungen wesentlich gefördert worden. Im neun 
zehnten Jahrhundert bis auf eine höchst bescheidene 
und sehr unkünstlerische Anwendung bei Uhren oder 
kleinem Goldschmuck gänzlich verschwunden, erscheint 
das Email heute fast in allen seinen Zweigen, darin 
es von der Kunst der Vergangenheit geübt wurde, 
wieder aufgelebt. 
Das Email, das hier in Rede steht, ist der gefärbte 
Glasfluss, der den Metallen angeschmolzen wird. Er 
ist der eigentliche farbige Schmuck der Metallarbeiten, 
sowohl der in edlem wie in unedlem Material. Alle 
Kunstepochen haben seit dem frühesten Mittelalter 
das Alterthum kannte und übte das Email sehr wenig 
— diese Verzierung bei ihren besten und schönsten 
Kunstarbeiten angewendet, die verschiedenen Manieren 
nach einander oder auch neben einander. Zuerst kamen
	        
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