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die Vergoldung allzu sehr überwiegen, so dass die
Farbe des Emails wenig zur Wirkung kommt. Von
den deutschen Goldschmieden haben W. Bentrop und
A. Künne zu Altena in Westphalen Arbeiten mit diesem
Email ausgestellt, von den österreichischen Brix und
Anders.
Es ist aber der Grubenschmelz nicht bei der kirch
lichen Anwendung stehen geblieben, sondern er hat
auch bei Bronzegeräthen zu häuslichem Gebrauch, bei
Lustern, Lampen, bei dem Geräth des Schreibtisches
u. a. bereits mannigfach Verwendung gefunden. Beson
ders ist dies in Wien durch den Einfluss Storcks ge
schehen. Mannigfache Beispiele davon sehen wir in den
Ausstellungen der Bronzefabrikanten Hanusch und
Hollenbach.
Neuerdings hat der Zellenschmelz eigentlich dem
Grubenschmelz den Rang abgelaufen und zwar ist das
durch den Umstand veranlasst worden, dass nach der
Eroberung Pekings durch die Engländer und die Fran
zosen altchinesische Emails dieser Art zahlreich nach
Europa kamen und eine neue Liebhaberei der Kunst
freunde bildeten. Diese chinesischen Cloisonnes können
wir in ihrer Beschaffenheit, in ihren tüchtigen Formen, in
ihrem künstlerischen, vor allem coloristischen Charakter
an einer grossen Collection in der chinesischen Ab
theilung kennen lernen. Alsbald warfen sich die fran
zösischen Bronzefabrikanten, Barbedienne an ihrer Spitze,
auf die Imitation dieser Gegenstände und zwar in
moderner Verwendung für Schalen, Teller, Lampen,
Kronleuchter und verschiedenes andere Luxusgeräth.