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Verzierungen nach Zeichnungen der Architekten, und
dennoch zeigt die Aesthetik, das künstlerische Gefühl
kein Herz dafür, mögen sie nun eisengeschwärzt oder
grün und gelb bronzirt sein. Die grossen französischen
Giessereien von Durenne in Paris und Val d’Osne
fügen diesen mehr architektonisch-ornamentalen Ar
beiten die hohe Kunst mit figürlichen Reliefs und
lebensgrossen bronzirten Figuren, die zum Theil als
Lichtträger zu dienen haben, hinzu und suchen ein
erhöhtes Interesse durch Ausstellung von Rohguss-
Arbeiten zu erwecken, um die Vollendung der Tech
nik zu zeigen. Dennoch gleitet das Auge ziemlich
gleichgültig an ihnen vorüber und betrachtet sie nur
als verwendbare decorative Gegenstände in reicheren
Bauten.
Nicht anders ist es, wenn wir den Eisenguss im
Kleinen betrachten. Die Ilsenburger Nachbildungen
alter Metallgefässe, der Hildesheimer Antiken z. B.,
oder von romanischen Leuchtern oder der in Eisen
getriebenen figurengeschmückten Helme und Schilde,
so vortrefflich sie sind, so bewundernswürdig scharf und
genau der Guss gelungen, wir erachten sie doch nur
als einfach mechanisch hergestellte Copien, die uns mit
ihrer Billigkeit in Ermanglung der Originale eben er
trägliche Dienste leisten.
Unser eigentliches Kunstinteresse beginnt bei den
Eisenarbeiten da, wo wir die Hand des Schmiedes als
des bildenden Künstlers erkennen, der mit dem Schlag
des Hammers das zähe, widerstrebende Metall aus ein-
ander treibt und zu ornamentalen Gebilden nach seinem