MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

- 312 — 
Verzierungen nach Zeichnungen der Architekten, und 
dennoch zeigt die Aesthetik, das künstlerische Gefühl 
kein Herz dafür, mögen sie nun eisengeschwärzt oder 
grün und gelb bronzirt sein. Die grossen französischen 
Giessereien von Durenne in Paris und Val d’Osne 
fügen diesen mehr architektonisch-ornamentalen Ar 
beiten die hohe Kunst mit figürlichen Reliefs und 
lebensgrossen bronzirten Figuren, die zum Theil als 
Lichtträger zu dienen haben, hinzu und suchen ein 
erhöhtes Interesse durch Ausstellung von Rohguss- 
Arbeiten zu erwecken, um die Vollendung der Tech 
nik zu zeigen. Dennoch gleitet das Auge ziemlich 
gleichgültig an ihnen vorüber und betrachtet sie nur 
als verwendbare decorative Gegenstände in reicheren 
Bauten. 
Nicht anders ist es, wenn wir den Eisenguss im 
Kleinen betrachten. Die Ilsenburger Nachbildungen 
alter Metallgefässe, der Hildesheimer Antiken z. B., 
oder von romanischen Leuchtern oder der in Eisen 
getriebenen figurengeschmückten Helme und Schilde, 
so vortrefflich sie sind, so bewundernswürdig scharf und 
genau der Guss gelungen, wir erachten sie doch nur 
als einfach mechanisch hergestellte Copien, die uns mit 
ihrer Billigkeit in Ermanglung der Originale eben er 
trägliche Dienste leisten. 
Unser eigentliches Kunstinteresse beginnt bei den 
Eisenarbeiten da, wo wir die Hand des Schmiedes als 
des bildenden Künstlers erkennen, der mit dem Schlag 
des Hammers das zähe, widerstrebende Metall aus ein- 
ander treibt und zu ornamentalen Gebilden nach seinem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.