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künstlerischen Ausstattung bedeutend nachgelassen ha
ben. Die eigentliche moderne europäische Kunst
industrie aber, die in so vielen Zweigen jetzt auf die
alten guten Vorbilder und die alte verloren gegangene
Technik zurückgreift und dadurch sich, um Ambros’
treffenden Ausdruck zu wiederholen, die «Rückschritts
medaille« verdient, sie zeigt noch immer keine Lust,
die reizenden Kunstweisen in Eisen wieder aufzunehmen.
Ein paar Schiesswaffen schmücken sich wohl hie und
da am Schloss, z. B. bei Lebeda in Prag und L.
Gasser in Wien, mit geschnittenen kleinen Arbeiten
von Jägern, Jagdthieren und Landschaften, und be
schränken sich im Uebrigen auf sehr spärliche ver
goldete Ornamente. Die eisernen feuersichern Cassen,
die doch auch zuweilen im eleganteren Zimmer Platz
erhalten und so viel gute Gelegenheit zur Verzierung
bieten, sind noch wenig über den Lack- und Holzan
strich hinausgekommen, höchstens dass sie auf den
inneren Flächen in gar bescheidener, kaum sichtbarer
Anwendung, die den Gegenstand der Darstellung mit
der decorativen Wirkung verwechselt, ein bischen
Aetzung und Radirung treiben.
Nur eine einzige Arbeit von der reichen Cassen-
Ausstellung, die uns namentlich Deutschland und
Oesterreich bieten, nimmt einen höchst bedeutenden
Anlauf und schon die Intention darin ist rühmens-
werth, wenn auch der Versuch nicht ganz gelungen
ist. Wir meinen die von Bätsche in Wien ausge
führte Wertheim’sche Casse, die ihre Aufstellung an
einem Pfeiler der Rotunde gefunden hat. Diese Casse
Falke, Kunstindustrie. 24