320 —
wie Patchouli. Das Leder kam durch sie so sehr in
Mode, dass selbst alle übrigen Kunstmateriale, wie edle
und unedle Metalle, Holz, Porcellan, Elfenbein, es
nachzumachen trachteten und sich in jeder Weise mit
Riemen und Schnallen schmückten. Von dieser Thorheit
sind wir leider heute noch nicht gänzlich befreit.
Das moderne Leder griff noch in einer anderen
Weise über seine Grenzen hinaus. Drang es einerseits
als Gegenstand der Nachahmung in die übrigen Industriezweige
hinein, so annectirte es auch diese wieder,
d. h. es beachtete nicht mehr seine eigenen künstlerischen
Eigenschaften, sondern suchte seinen höheren
Schmuck in Verzierungen von solidem Silber, vergoldeter
Bronze, Elfenbein, Holzschnitzerei, Email und
sonst gar verschiedenen Dingen. Die Verbindung mit
Metall kann, wie es bei den gewaltigen Einbänden des
Mittelalters der Fall war, unter Umständen geboten
und auch künstlerisch sein, aber, so wie es geschehen
ist, in dieser Verbindung das Princip suchen, den Buchdeckel
zur Goldschmiedarbeit machen, das heisst
Gewerbe und Stoff verkennen.
Zu diesem Fehler haben die Wiener Galanteriearbeiten,
als deren Beginner gewöhnlich der verstorbene
Girardet gilt, verleitet und anderswo hat man
den Fehler noch übertrieben. Solche Prachtarbeiten
sieht man noch zahlreich auf der Ausstellung, sowohl
bei den Oesterreichern (August Klein, Rodeck, M. Klein,
Groner u. a.) so wie bei den Franzosen (Marx in Paris)
und bei den Hanauer Lederarbeitern (Knipp), endlich