MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

mühsam, schwierig und erfordert die grösste Sorgfalt, 
da es die Aufgabe ist, die Steine mit solcher Genauig 
keit in einander zu fügen, dass auch nicht der kleinste 
Zwischenraum offen bleibt und die Linien der Zusam 
mensetzung verschwinden. Andererseits ist ästhetisch 
auf schöne Harmonie der Farben, gute Zeichnung, 
hübsches Muster zu achten. Die Schwierigkeit der 
Technik aber erlaubt keine grosse Wahl der Gegen 
stände und es erscheint daher der Umfang derselben 
heute sehr beschränkt, so zahlreich noch die Schaar der 
Künstler ist, die sich in Italien damit beschäftigen. 
Die Collection von Arbeiten in dieser Mosaik, 
die wir auf unserer Ausstellung sehen, ist wohl die 
reichste, welche bisher eine Weltausstellung aufwies. 
Es sind vorzugsweise Tischplatten, oval und eckig, 
grösser und kleiner, und sodann Platten als Füllstücke 
für Kasten und Kästchen. Blumenstücke in natura 
listischer Haltung bilden das Hauptmotiv in Bouquets 
und Kränzen, wozu sich Ornamente in verzopften 
Schnörkeln gesellen. In dieser Beziehung, überhaupt 
in der ornamentalen Verwerthung dieser Mosaik bleibt 
Vieles zu wünschen übrig. Sonst sehen wir Stillleben 
von Früchten, Musikinstrumenten und anderen Dingen, 
was alles sich der Naturwahrheit nur bis zu einem 
gewissen, sehr fernen Grade nähern kann. Für natu 
ralistische Darstellung aber ist die Technik sehr unzu 
länglich und sie thäte daher wohl besser, sich rein 
decorative Ziele zu setzen, anstatt bestimmte Gegen 
stände wiedergeben zu wollen. Kleine Costüm- und 
Scherzfiguren geben auf Füllstücken oder Bildchen
	        
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