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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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verwerfen wollen, zu siisslichen und zu bunten Cha 
rakter trägt. Letzteres gilt unter Anderem von dem 
grossen Hauptaltar. Ueberhaupt dürften alle figürlichen 
Gestalten, die aus dieser Anstalt hervorgehen, einen 
gemeinsamen Mangel tragen: sie sind zu weich und 
entbehren der Männlichkeit; sie sind demüthig, fromm 
hingegeben, sogar sentimental im Ausdruck: das steht 
allerdings den Frauen gut, aber den Männern wünscht 
man doch mehr Stärke, Vertrauen und kraftvolle Hal 
tung; diese erscheinen wohl ihrer passiven, ihrer Lei 
densaufgabe entsprechend, aber nicht dem Apostelamt 
gewachsen. 
Wenn uns die Ausstellung den richtigen Mass 
stab gäbe, so wäre kein Land mehr auf die mittel 
alterliche Reform in der kirchlichen Kunst eingegangen, 
als gerade Frankreich, welches noch vor wenigen 
Jahren sich dieser Richtung am allerbestimmtesten wider 
setzte. Der Aussteller sind freilich wenige, aber was 
sie bringen, gehört weit überwiegend dieser neuen 
Richtung an. Die reiche Ausstellung der Kirchenstoft'e 
von J. A. Henry in Lyon erscheint ganz und gar ins 
mittelalterliche Lager übergegangen und zeigt uns mit 
stilisirten Thieren die reinsten Muster des i3. und 
14. Jahrhunderts. Und vortrefflich sind diese Arbeiten, 
besonders auch in den Figuren, die in vielen Fällen 
nicht als Handarbeit durch Stickerei, sondern als reines 
Gewebe hergestellt sind. Nur geht diese Fabrik wohl 
in der Anwendung der Figuren zu weit, wenn sie auf 
den Messgewändern ganze religiöse Gemälde, wie z. B. 
das Abendmahl nach Leonardo, darzustellen bemüht
	        
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