MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

XXXV. 
Posamentirarbeiten. 
Es ist ein kleiner und dem Anscheine nach unbe 
deutender Gegenstand, den wir jetzt besprechen wollen. 
Trotzdem ist er von grosser Wichtigkeit in der de- 
corativen Kunst und es ist um so mehr nothwendig, 
einmal die Blicke auf ihn hinzulenken, als er entschieden 
auf falsche Wege gerathen ist. 
Die Borten, Quasten, Schnüre, Fransen, Crepinen, 
Besatz und Gehänge, oder was man sonst alles dazu 
rechnen will, bilden für alle Decoration in gewebten 
und gestickten Stoffen das finishing; solche Arbeiten 
geben ihnen den Abschluss, den Eindruck des Fertig 
seins und man sieht daher, dass sie für ein feineres 
Gefühl nicht zu entbehren sind. Andererseits sind sie 
aber auch nichts Selbstständiges und sollten daher 
auch über ihre untergeordnete Stellung und Bedeutung 
nicht erhoben werden; zumal sollte man nicht ver 
gessen, dass sie nur in Verbindung mit gewebten Stoden 
ihre Berechtigung haben. Die Ausstellung lehrt uns 
aber mannigfach, wie man diese Grenzen verkennt und 
die Posamenterie zu einem selbstständigen Zweige der 
Kunstindustrie zu machen trachtet.
	        
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