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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Wie ganz anders ist nun der Charakter unserer 
modernen Posamenterien! Wir wollen unsere Leser 
dabei nicht von Land zu Land führen, sondern den 
jenigen, dem es um Belehrung durch den Anblick zu 
thun ist, nur auf die bedeutendsten Aussteller ver 
weisen — viele sind es ohnehin nicht — auf die Fran 
zosen G. Weber, Dieutegard und Antheaume so wie 
L. Sporck in Paris. Sie stehen mit ihresgleichen bei 
einander, wie sich denn die französische Ausstellung 
vor allen durch übersichtliche Ordnung in sich selber 
auszeichnet. Die Franzosen haben es begriffen, dass 
nicht der bunte Wechsel des Verschiedenen, das Kains 
zeichen confuser Köpfe, sondern die gute Ordnung 
und Zusammenstellung des Gleichartigen für Lehre 
und Bildung so wie für imponirende Wirkung auf das 
Publicum gleich gut ist. Neben den französischen Fa 
brikanten ist insbesondere noch der Wiener Drächsler 
lehreich und bedeutend mit seiner schönen Ausstellung. 
Wie schon gesagt, wird der netzartige Abschluss 
auch von der modernen Industrie verwendet, aber der 
Regel nach nur dann, wenn es sich um den Besatz 
und Behang einfarbiger Stoffe handelt; farbig ist fast 
nur der Behang der gestreiften römischen Seidenschärpen, 
die ja auch nationalen Ursprungs sind. Auch die 
Quasten und Schnüre sind nicht vergessen, aber was 
ist aus diesem einfachen Motiv geworden? Statt des 
unteren Theils der hängenden Fäden, Stränge und 
Schnüre ist der obere, der Knoten, zur hauptsächlichsten 
Bedeutung gekommen und mehr Drechslerarbeit als 
sonst etwas. Es sind profilirt gedrehte Knoten, Ku-
	        
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