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Volltext: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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zumal wieder zurückbringen, sie musste das Ornament 
wieder künstlerisch gestalten, der Form und dem Stoffe 
zu ihrem Rechte verhelfen und den Sinn für Farbe 
wieder erwecken. Selbstverständlich hat das Streben 
nicht gleich mit so vollem Bewusstsein über die Sach 
lage begonnen, aber, ob mehr oder weniger bewusst, 
die Reform verfolgte überall dieses Ziel und diese Wege, 
und das Resultat, so weit wir es heute sehen, liegt 
ganz und gar in dieser Richtung. Es ist eben die 
Strömung der Zeit geworden. 
Es standen zwei Wege offen, wie man verfahren 
konnte. Erstens konnte man einen der grossen histori 
schen Kunststile als unser Vorbild aufstellen. Dieser 
Weg aber hatte sich schon gerichtet. Er war bereits 
eingeschlagen und hatte nur zu dem Resultat geführt, 
dass entweder der Versuch misslungen war oder die 
Freunde der verschiedenen Stile in unversöhnlichem 
Flader lagen. Dann musste man sich sagen, dass doch 
jeder der historischen Stile mit der Eigenart des Vol 
kes und der Zeit, welchen er angehörte, in engstem 
Charakterzusammenhang stand und dass wir eben heut 
zutage doch auch unser Eigenes haben, das künstlerisch 
zum Ausdruck kommen soll. Der fremde Stil, je treuer 
er copirt wird — und dahin gehen ja unsere archäo 
logischen Studien — wird uns immer ein Prokrustes- 
Bett sein. 
So war man auf den zweiten, allein richtigen 
Weg angewiesen, und dieser ging dahin, den Dingen 
selber, ihrer Art und ihrem Stoffe gerecht zu werden 
und zu suchen, sie so zu sagen aus sich selber heraus
	        
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