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menten von ganz veralteter Art entstellt, während
Ginzkey seinen orientalischen Motiven schöne stilisirte
Muster hinzufügt.
Ist bei diesen Fabrikanten der Geschmack noch ge
mischt, so ist er bei der Fabrik von Philipp Haas und
Söhnen, deren allgemeine Bedeutung wir schon oben
gewürdigt haben, ganz positiv- für den Orientalismus
entschieden. Ihre zahlreichen, durch Grösse und Far
benreiz gleich ausgezeichneten Teppiche sind fast aus
nahmslos orientalischer Art und es sind Muster dar
unter, so mannigfach und von solcher Schönheit, wie
sie die ganze orientalische Ausstellung nicht aufzuweisen
hat. Höchstens zeigt uns die indische Abtheilung mit
einigen Teppichen aus dem India-Museum in London
Aehnliches. Das kommt einfach daher, weil diese Fa
brik nicht sich an das hält, was heute landläufig im
Orient geht und bereits an Reiz gesunken oder von euro
päischem Geschmack angekränkelt ist, sondern vorwie
gend an alte Muster, die heute wohl noch im Orient,
wenn man es darauf anlegt, aufzubringen sind, wenn auch
nicht ohne Mühe und Schwierigkeit.
Auch Museen und Schlossdepots bieten noch
einiges dar, so insbesondere das kaiserliche Teppich
depot in Schönbrunn, dessen bis dahin unbeachtet ge
bliebene Schätze heute durch Vermittlung des öster
reichischen Museums aller Industrie nutzbar gemacht
werden. Man muss freilich selber Geschmack und in
der Wahl einen geübten Treffer besitzen, wie diese
Eigenschaften das Haupt der genannten Fabrik aus-