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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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wir schon früher zu gedenken gehabt als solcher, welche 
die reizenden indischen Brocatmuster imitiren; wir wissen 
aber nicht, ob diese Imitationen für heimischen Gebrauch 
oder nur für den Export nach Indien bestimmt sind. In 
letzterem Falle würden wir von unserem Standpunkt 
aus wenig Werth darauf zu legen haben. Noch weniger 
dürfen wir Originalität von den gedruckten Baum 
wollstoffen erwarten. Was uns z. B. Berlin sehen 
lässt, ist künstlerisch werthlos und die in diesem Zweige 
hochausgebildete Elsässer Industrie, von deren Ausstel 
lung wohl die bedeutendsten Fabrikanten ausgeblieben 
sind, folgt der französischen Mode. Was wir davon in 
Wien sehen, reicht nicht hinan an ihre Ausstellung zu 
Paris im Jahre 1867. 
Die Mehrzahl der österreichischen Fabrikanten steht 
wohl noch auf demselben Standpunkte wie die deutschen, 
d. h. es fehlt ihnen an Originalität und sie richten ihre 
Blicke zu sehr nach Paris. Dies gilt z. B. von Albeit 
Wolf in Wien, der uns übrigens einige gut stilisirte 
Muster zeigt, von Julius Pfeifer in Rumburg, so wie 
von der Cosmanoser und der Neunkirchner Druckfabrik. 
Ohne Frage haben diese Fabriken eigene Zeichner und 
gute Zeichner, aber sie nützen ihrem Rufe nicht viel, 
wenn dieselben nicht selbstständige und ei findet ische 
Köpfe haben. Es gab eine Zeit, wo eine originelle Er 
findung dem herrschenden Zuge der Zeit gegenübet 
nichtig war; heute aber stehen die Dinge bereits anders 
und die Franzosen selbst belehren uns vom Gegentheil, 
indem sie die Ersten sind, jeder neu auftauchenden Rich 
tung sich zu bemächtigen. Nur gut muss das Neue sein
	        
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