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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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erhalten, das sich mit farbigen Ornamenten in Blau 
und Roth, mit Arabesken und Thierfiguren schmückt, 
selbst mit figürlichen Scenen, die nicht selten die Braut 
werbung in Ernst und Scherz behandeln. Heute sind 
es allein die Bäuerinnen in Nord und Süd, in Ost und 
West, die an diesem Schmuck ihres Hauslinnens fest 
gehalten haben; die Ausstellungen von Schweden und 
Norwegen, von Russland, Ungarn, Rumänien und an 
deren Ländern zeigen uns zahlreiche Beispiele. Unseie 
Civilisation dagegen verschmäht solche Zierde. 
Als im Lauf der letzten Jahrhunderte die Farben 
lust sich allmälig verlor, die Kunst so zu sagen er 
graute, da gab auch alle für den Gebrauch des Hauses 
bestimmte Leinwand die farbige Decoration auf. Wie 
Geschmack überhaupt keine Stätte mehr in unsei ei 
Wohnung fand, in der vornehmen nur der Flitter noch 
galt, in der bürgerlichen die Entsagung oder im gün 
stigsten Falle die Solidität, so war die Hausfrau zu 
frieden, wenn sie den Kasten mit «schneeigem Lein« 
gefüllt sah. Hatte sie als Brautmutter für eine Aus 
stattung zu sorgen, so prüfte sie mit den Fingern die 
Festigkeit des Gewebes oder die Feinheit des Fadens, 
um die Art der Verzierung aber kümmerte sie sich 
nicht. Die Kraft und die Weisse des Gewebes thaten 
ihre Schuldigkeit auf dem Tische; das andere wai 
Nebensache, war gleichgültig oder unbekannt. 
In Folge dessen musste nothwendig auch der In 
dustrie die Decoration dieser Gewebe eine völlig gleich 
gültige Sache werden und sie behandelte sie danach. 
Regelmässige Tupfen, die sich über die Fläche hin zer-
	        
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