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erhalten, das sich mit farbigen Ornamenten in Blau
und Roth, mit Arabesken und Thierfiguren schmückt,
selbst mit figürlichen Scenen, die nicht selten die Braut
werbung in Ernst und Scherz behandeln. Heute sind
es allein die Bäuerinnen in Nord und Süd, in Ost und
West, die an diesem Schmuck ihres Hauslinnens fest
gehalten haben; die Ausstellungen von Schweden und
Norwegen, von Russland, Ungarn, Rumänien und an
deren Ländern zeigen uns zahlreiche Beispiele. Unseie
Civilisation dagegen verschmäht solche Zierde.
Als im Lauf der letzten Jahrhunderte die Farben
lust sich allmälig verlor, die Kunst so zu sagen er
graute, da gab auch alle für den Gebrauch des Hauses
bestimmte Leinwand die farbige Decoration auf. Wie
Geschmack überhaupt keine Stätte mehr in unsei ei
Wohnung fand, in der vornehmen nur der Flitter noch
galt, in der bürgerlichen die Entsagung oder im gün
stigsten Falle die Solidität, so war die Hausfrau zu
frieden, wenn sie den Kasten mit «schneeigem Lein«
gefüllt sah. Hatte sie als Brautmutter für eine Aus
stattung zu sorgen, so prüfte sie mit den Fingern die
Festigkeit des Gewebes oder die Feinheit des Fadens,
um die Art der Verzierung aber kümmerte sie sich
nicht. Die Kraft und die Weisse des Gewebes thaten
ihre Schuldigkeit auf dem Tische; das andere wai
Nebensache, war gleichgültig oder unbekannt.
In Folge dessen musste nothwendig auch der In
dustrie die Decoration dieser Gewebe eine völlig gleich
gültige Sache werden und sie behandelte sie danach.
Regelmässige Tupfen, die sich über die Fläche hin zer-