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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Die Spitze hat sich aber von jeher wenig darum be 
kümmert gehabt, und sie konnte es mit einem gewissen 
Rechte, da sie in den selteneren Fällen ausgespannt 
getragen wird, vielmehr stets flatternd und faltig er 
scheint, was ja auch gemäss ihrer Luftigkeit, Leichtig 
keit und Zartheit ganz in der Ordnung ist. Eben so 
wenig hat aber auch hierauf die Decoration Rücksicht 
genommen. 
Nur im Anfang ihrer Geschichte, in der zweiten 
Hälfte des sechszehnten und im Anfang des siebzehnten 
Jahrhunderts, zu jener Periode, deren erhaltene Ueber- 
reste wir gewöhnlich als venezianische Spitzen be 
zeichnen, befand sich die Spitze in Einklang mit ihrer 
Bestimmung. Sie diente entweder als »Kante«, ein 
Ausdruck, der sich noch heute erhalten hat, und bildete 
in der That am Gewand, am Kragen eine Kante, 
einen Saum mit vortretenden »Spitzen« (»Zähnen«, 
dentelles) oder sie zeichnete auf der Unterlage ein 
schönes regelmässiges Muster. Davon haben sich die 
Traditionen nur in der volksmässigen oder nationalen 
Spitze erhalten. 
Seit den Zeiten aber, dass die Brabanter Spitze 
die anderen im Rufe überholte, war das Ziel stets die 
grösstmögliche Feinheit, Zartheit und Mühsamkeit mit 
der Mannigfaltigkeit und Verschiedenartigkeit der zier 
lichsten Muster, wie sie nur die Technik gestattete oder 
hervorrief. Dabei hat die sogenannte alte Spitze den 
Vorzug eines, man möchte sagen, körnigen, soliden 
Materials, welche Eigenschaft von der heutigen Fabri 
kation bei gleicher Feinheit nicht erreicht wird. Aber
	        
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