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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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der Kunstindustrie. Entsprechend der französischen Vor 
liebe ist es denn auch die Pflanze, die Blume, die 
Ranke in naturalistischer Gestaltung, welche auf tüll 
artigem Grunde alle modischen Spitzenarbeiten be 
decken, die grossen Shawls und Echarpen, die Schleier, 
die Kragen, die Barben, die Schirmdecken u. s. w., 
die weissen Spitzen wie die schwarzen. Natürlich, da 
das Material bescheiden in seinen Mitteln ist, so ist 
die erreichte Naturtreue eine sehr unzulängliche und 
die Zufälligkeit in der Zeichnung, welche der Naturalis 
mus verlangt, dient nur dazu, das Muster, das mit 
Bouquets und Ranken oft grosse Dimensionen annimmt, 
unklarer zu machen. Wird der Gegenstand dann noch 
gefaltet getragen, so wird die Zeichnung vollends un 
kennbar. Bei diesen Uebelständen ist es die Aufgabe 
eines guten Spitzenzeichners, neben der Abwechslung 
und der Wahrung der verschiedenartigen technischen 
Varianten, wie sie die Nadelarbeit zulässt, das Muster 
bei grösster Feinheit und bei grösstem Reichthum des 
Details doch möglichst klar, deutlich und rein zu halten. 
Wir finden in den brillanten Ausstellungen der fran 
zösischen und belgischen Spitzenfabrikation höchst be 
wunderungswürdige Lösungen dieser schwierigen Auf 
gabe, aber auch gewiss eben so ott unklare, unruhige 
und so'mit verfehlte Zeichnungen. 
Wo es gut und angemessen gemacht worden, da 
ist durch eine Art von leichtem Ornament, das 
nur zu oft architektonischen Charakter annimmt, eine 
breite Bordüre abgetheilt und sonst die Fläche zerlegt 
oder arrangirt, und alsdann sind Blumen, Gräser,
	        
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