Spitzenfabrikation durch Grossartigkeit und Ausdehnung
durchaus den Vorrang behauptet, hat sich noch tradi
tionelle Spitzenarbeit erhalten, theils industriell, theils
im Volke und im Hause für den eigenen Gebrauch.
Der letzteren, der nationalen Arbeiten, haben wir schon
mehrfach zu gedenken gehabt; die bedeutendsten unter
ihnen sind wohl die schwedischen. Von der industriel
len Art sind leider die spanischen so gut wie gar nicht
auf der Ausstellung vertreten; ein einziger Shawl reicht
nicht hin, uns von ihrem Charakter einen Begriff zu
geben. Bedeutender sind die irländischen Guipure-
spitzen erschienen, deren ornamentale Zeichnung in
der Weise der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
wurzelt. Es sind keine reinen Ornamente mehr, wie
sie noch in der ersten Hälfte jenes Jahrhunderts in
Uebung standen, und sie leiden heute noch mehr durch
die Pflege, welche der irländischen Spitzenfabrikation
gewidmet w'ird und die, commerziell wohl sehr nütz
lich, künstlerisch sie zu unreinerer und unklarerer
Zeichnung führt. Auf demselben Wege scheinen sich
leider die Malta-Spitzen zu befinden, welche vor weni
gen Jahren noch die schönsten regelmässigen Muster
in Weise der venezianischen Spitzen darboten.
Während sich so die feinere und kostbarere Spitzen
fabrikation immer weiter von der ältesten und besten
Art entfernt, kehrt die unechte Spitze, die Maschinen
spitze, auffallender Weise zuerst wieder zu ihr zurück.