MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

Spitzenfabrikation durch Grossartigkeit und Ausdehnung 
durchaus den Vorrang behauptet, hat sich noch tradi 
tionelle Spitzenarbeit erhalten, theils industriell, theils 
im Volke und im Hause für den eigenen Gebrauch. 
Der letzteren, der nationalen Arbeiten, haben wir schon 
mehrfach zu gedenken gehabt; die bedeutendsten unter 
ihnen sind wohl die schwedischen. Von der industriel 
len Art sind leider die spanischen so gut wie gar nicht 
auf der Ausstellung vertreten; ein einziger Shawl reicht 
nicht hin, uns von ihrem Charakter einen Begriff zu 
geben. Bedeutender sind die irländischen Guipure- 
spitzen erschienen, deren ornamentale Zeichnung in 
der Weise der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
wurzelt. Es sind keine reinen Ornamente mehr, wie 
sie noch in der ersten Hälfte jenes Jahrhunderts in 
Uebung standen, und sie leiden heute noch mehr durch 
die Pflege, welche der irländischen Spitzenfabrikation 
gewidmet w'ird und die, commerziell wohl sehr nütz 
lich, künstlerisch sie zu unreinerer und unklarerer 
Zeichnung führt. Auf demselben Wege scheinen sich 
leider die Malta-Spitzen zu befinden, welche vor weni 
gen Jahren noch die schönsten regelmässigen Muster 
in Weise der venezianischen Spitzen darboten. 
Während sich so die feinere und kostbarere Spitzen 
fabrikation immer weiter von der ältesten und besten 
Art entfernt, kehrt die unechte Spitze, die Maschinen 
spitze, auffallender Weise zuerst wieder zu ihr zurück.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.