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derner Geschmack, daher denn auch mehr modermsirt als
mit dem Bestreben der Stilreinheit verbunden.
Am meisten hat noch das Sitzmobiliar vom Rococo
übrig behalten, namentlich insofern, als es Tapezier
arbeit ist. Dies liegt aber mit in seiner Art und weni
ger darin, dass diese Rococo-Reminiscenz Mode oder
Stil sei. Das Sitzmöbel hat mit dem Rococo die ge
schweifte Structur und auch die geschweifte Polsterung
erhalten; letztere ist in der Tapezierarbeit zum giossen
Theil auch da geblieben, wo die geschweifte Form des
Holzes verschwunden ist. Es ist unsere Bequemlichkeit,
die Annehmlichkeit, welche daran festhalten, das Bedürf
nis körperlicher Ruhe nach angespannter und aufrei
bender Thätigkeit.
Wenn wir aber dieses Sitzmobiliar prüfen, einei-
lei bei welchem Lande, ob in der französischen oder
in der österreichischen Abtheilung, deren Ausstellungen
darin am reichhaltigsten sind, so werden wir sehr sel
ten auf die charakteristischen Merkzeichen des Rococo
stossen, vielmehr eine moderne Phantasie mit grosser
Willkür walten sehen, die sich ihre eigenen, mituntei
freilich höchst sonderbaren Formen erfindet. Die Motive
liegen häufig in der Uebertragung des orientalischen
Divans auf unseren Einzelsitz, der zum Rücken dann
Seitenlehnen erhält, zuweilen auch nicht, in allen Fallen
aber sich mit mehr oder minder reicher Posamentier
arbeit schmückt.
Wirkliche und eigentliche Rococoformen, übrigens
auch schon der letzten Zeit angehörig, sieht man nur
bei den französischen Sesseln und Sophas, die mit