MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

— 399 
derner Geschmack, daher denn auch mehr modermsirt als 
mit dem Bestreben der Stilreinheit verbunden. 
Am meisten hat noch das Sitzmobiliar vom Rococo 
übrig behalten, namentlich insofern, als es Tapezier 
arbeit ist. Dies liegt aber mit in seiner Art und weni 
ger darin, dass diese Rococo-Reminiscenz Mode oder 
Stil sei. Das Sitzmöbel hat mit dem Rococo die ge 
schweifte Structur und auch die geschweifte Polsterung 
erhalten; letztere ist in der Tapezierarbeit zum giossen 
Theil auch da geblieben, wo die geschweifte Form des 
Holzes verschwunden ist. Es ist unsere Bequemlichkeit, 
die Annehmlichkeit, welche daran festhalten, das Bedürf 
nis körperlicher Ruhe nach angespannter und aufrei 
bender Thätigkeit. 
Wenn wir aber dieses Sitzmobiliar prüfen, einei- 
lei bei welchem Lande, ob in der französischen oder 
in der österreichischen Abtheilung, deren Ausstellungen 
darin am reichhaltigsten sind, so werden wir sehr sel 
ten auf die charakteristischen Merkzeichen des Rococo 
stossen, vielmehr eine moderne Phantasie mit grosser 
Willkür walten sehen, die sich ihre eigenen, mituntei 
freilich höchst sonderbaren Formen erfindet. Die Motive 
liegen häufig in der Uebertragung des orientalischen 
Divans auf unseren Einzelsitz, der zum Rücken dann 
Seitenlehnen erhält, zuweilen auch nicht, in allen Fallen 
aber sich mit mehr oder minder reicher Posamentier 
arbeit schmückt. 
Wirkliche und eigentliche Rococoformen, übrigens 
auch schon der letzten Zeit angehörig, sieht man nur 
bei den französischen Sesseln und Sophas, die mit
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.