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Gobelins überzogen sind. Ein anderes Genre moderner
Phantasiemöbel, ursprünglich französischer Herkunft
mit Benützung chinesischer Motive, sind die kleinen,
brechlichen, dünnstäbigen Sessel, gepolstert oder mit
Rohrgeflecht, das Holzwerk lackirt in Schwarz oder
Roth mit Vergoldung, Sessel, die keinen Vorzug als
den ihrer Leichtigkeit und Beweglichkeit haben. Man
sieht sie heute häufig in die Formen von Louis XVI.
gekleidet, aber in ausserordentlich verdünnten Dimen
sionen, wie sie jene Zeit nicht kannte.
Wo die höchsten Ansprüche erhoben werden, da
sucht man auch die Aufgaben für das Sitzmöbel, wenn
nicht im Stil, doch im Geiste der Renaissance zu lösen.
Selbst Frankreich macht hievon nicht vollständig eine
Ausnahme. Wie wir unter seinen kostbaren Geweben
die schönsten Renaissance-Motive in gelungener Weise
benützt sehen, so finden wir auch bei verschiedenen
Ausstellern Renaissance-Sessel von grosser Schönheit,
zum Theil kostbar mit Goldstoff bekleidet, zum Theil
einfach in Form und Farbe, aber von der gediegenen
Art des 16. Jahrhunderts. Auch was Deutschland Gutes
im Sitzmöbel wie überhaupt im Mobiliar ausgestellt
hat, gehört weitaus, wie schon früher berichtet wor
den, der Renaissance an. Ebenso arbeiten die ersten
Fabrikanten Oesterreichs alle in dieser Richtung, hie
und da ein bischen gräcisirend, sobald sie unter den
Einfluss bestimmter Architekten gerathen, jedoch ohne
in dieser Beziehung Nachhaltigkeit und Zukunft zu
haben.