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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Gobelins überzogen sind. Ein anderes Genre moderner 
Phantasiemöbel, ursprünglich französischer Herkunft 
mit Benützung chinesischer Motive, sind die kleinen, 
brechlichen, dünnstäbigen Sessel, gepolstert oder mit 
Rohrgeflecht, das Holzwerk lackirt in Schwarz oder 
Roth mit Vergoldung, Sessel, die keinen Vorzug als 
den ihrer Leichtigkeit und Beweglichkeit haben. Man 
sieht sie heute häufig in die Formen von Louis XVI. 
gekleidet, aber in ausserordentlich verdünnten Dimen 
sionen, wie sie jene Zeit nicht kannte. 
Wo die höchsten Ansprüche erhoben werden, da 
sucht man auch die Aufgaben für das Sitzmöbel, wenn 
nicht im Stil, doch im Geiste der Renaissance zu lösen. 
Selbst Frankreich macht hievon nicht vollständig eine 
Ausnahme. Wie wir unter seinen kostbaren Geweben 
die schönsten Renaissance-Motive in gelungener Weise 
benützt sehen, so finden wir auch bei verschiedenen 
Ausstellern Renaissance-Sessel von grosser Schönheit, 
zum Theil kostbar mit Goldstoff bekleidet, zum Theil 
einfach in Form und Farbe, aber von der gediegenen 
Art des 16. Jahrhunderts. Auch was Deutschland Gutes 
im Sitzmöbel wie überhaupt im Mobiliar ausgestellt 
hat, gehört weitaus, wie schon früher berichtet wor 
den, der Renaissance an. Ebenso arbeiten die ersten 
Fabrikanten Oesterreichs alle in dieser Richtung, hie 
und da ein bischen gräcisirend, sobald sie unter den 
Einfluss bestimmter Architekten gerathen, jedoch ohne 
in dieser Beziehung Nachhaltigkeit und Zukunft zu 
haben.
	        
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