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MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

-  403  —

Neben  Louis  XV.  und  XVI.  ist  bei  den  Franzosen
aber  auch  die  Renaissance  vertreten  und  zwar  mehr
noch  bei  dieser  Art  des  Mobiliars  als  bei  den  Sitzmöbeln. ­
  Das  ist  in  diesem  Fall  schon  alter  Brauch.
Französische  Credenzen,  Bücherkasten  in  Renaissance-Art
  sind  schon  von  allen  Ausstellungen  her  berühmt
und  der  Stolz  der  französischen  Ebenisterei.  Sie  fehlen
auch  diesmal  nicht,  so  wenig  wie  die  alten  Namen,
unter  denen  wohl  Fourdinois  seit  der  Pariser  Ausstellung ­
  von  1867  den  ersten  trägt.  Vielleicht  kann  man
bei  diesen  Möbeln,  wenn  uns  das  Gedachtmss  nicht
täuscht,  eine  Veränderung  darin  wahrnehmen,  dass  sie
schwächer  in  den  Profilen,  zarter  und  magerer  in  den
Gliedern  geworden  und  nicht  in  gleichem  Masse  mit
geschnitztem  Relief  verziert  sind.  Wo  solche  Schnitzerei
vorhanden  ist,  da  ist  sie  auch  mit  demselben,  wenn
nicht  noch  verstärktem  Raffinement  behandelt,  das
früher  schon  an  diesen  französischen  Arbeiten  verschiedentlich ­
  getadelt  worden.  Dieses  überaus  fein  gezeichnete ­
  und  modellirte  Ornament  wird  als  Metall  etrachtet,
  ciselirt,  gefeilt,  polirt  oder  wenigstens  so  abseglättet,
  dass  es  ganz  seinen  Holzcharakter  verliert.
Es  ist  auch  hier  wieder  auf  Fourdinois  und  neben  ihm
Roudillon  zu  verweisen.  Ersterer  bringt  unter  Anderem ­
  ein  geschnitztes  Tableau  von  allerdings  wunderbarer ­
  Vollendung  und  Feinheit.  Als  ein  Beispiel  von
französischer  Renaissance  mit  abgeschwächten  Gliedern
und  Profilen  führen  wir  eine  geschnitzte  Credenz  bei
Guerre  Freres  an.
            
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