— 406
nung ist eine zweite charakteristische Seite dieser Möbel
sehr natürlich, die nämlich, dass sie äusserst flach in
den Gliedern und Profilen sind.
Dies gilt merkwürdiger Weise auch von einer
zweiten, ganz anderen Art der englischen Möbel, welche
zu diesem eleganten und superfeinen Genre einen
Gegensatz bildet, wie anderswo die Renaissance zu
Louis XVI. Auf den englischen Landsitzen hat die
Gothik schon unser ganzes Jahrhundert hindurch eine
Rolle auch in der inneren Einrichtung gespielt, Anfangs
mit derselben architektonisch - schematischen Art, von
der wir heute noch nicht ganz befreit sind. Später ist
man darauf gekommen, das Wesen nicht in dem Stab-
und Masswerk, in Fialen und durchbrochenen Bekrö
nungen zu suchen, sondern in der naturwüchsigen
Methode des Verfahrens, in dem Recht, das der Tech
nik , der Construction, dem Material auch nach der
ornamentalen Seite hin in der Kunst des Mittelalters
zu Theil wird, und dabei entnahm man die Motive
und Lehren eben so wohl dem normannisch-romanischen
wie dem gothischen Stil. Es lässt sich dagegen auch
an sich gar nichts sagen, wenn man hierauf die deco-
rative Kunst zu gründen trachtet, wie es von verschie
denen englischen Architekten nicht ohne Beifall und
Nachfolge geschieht, nur leidet das, was wir heute als
die künstlerischen Resultate sehen, so viel Gutes auch
darunter ist, noch zu sehr an einer gewissen Trocken
heit, Nüchternheit und Phantasielosigkeit, somit vor
allem an Mangel an Reiz. Darüber lassen uns die