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Kunstarbeit verschiedener Epochen und Völker hier das
eine Genre von Gegenständen, dort das andere mit
grösserer Vollkommenheit und grösserer Annäherung
an jenes Ideal, wo Zweck und Form sich decken,
herausgearbeitet worden ist, wie z. B. im Alterthum
und im 16. Jahrhundert bei Thon- und Glasgefässen,
im 16. und 17. Jahrhundert bei den Möbeln, wie
z. B. bei den orientalischen Völkerschaften die farbigen
Flächenornamente. Indem diese Dinge sich selber ent
sprechen, ihrem Zweck, ihrem Material, und mit ihrer
Bestimmung in Harmonie sind, werden sie es auch
wohl unter einander sein.
So ist es vorzugsweise der Orient, welcher zur
Heilung für den heute verkommenen Farbensinn auf
gerufen worden ist. Der Orient kennt in seiner Kunst
fast nur das Flächenornament und die Farbe, hat bei
des aber in so vollkommener mustergiltiger Weise
dürchgebildet, dass wir in dieser Beziehung keinen
besseren Lehrer finden können. Es ist daher auch der
Orient von jeder Weltausstellung zur ‘andern in der
Schätzung gestiegen, und während man ihn auf der
ersten nur als Curiosifät anstaunte, ist er heute drauf
und dran, das ganze Gebiet der Teppiche, Decken,
Vorhänge und ihresgleichen künstlerisch umzuschaffen
und unsern Farbengeschmack zu reformiren. Es voll
zieht sich auch in dieser Beziehung heute ein Um-
wandlungsprocess, gerade wie in Bezug auf die Form und
das Ornament. Wir kehren von der grauen Negation
der Farben einerseits und den grellen, bunten und
harten Gegensätzen andererseits zu gesunderen colori-
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