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brunnen in der Rotunde, wie der mythologisch-plastische
blachspavillon, wie das grosse Mosaikgemälde von Zünd
hölzchenköpfen, wie die Löftelarchitectur einer Silber-
waarenfabrik, wie die Denkmäler und die Pyramidal
bauten der Stearinfabriken, das alles ist ästhetischer
Humbug, der durch fremdartige Dinge die Augen auf
ein unscheinbares Fabrikat hinlenken soll, ein Humbug,
dei sich in der Idee nicht über Barnum und Consorten,
nicht über die Ankündigungen von Kunstreitern, Rie
senschlangen, Meerwundern, Missgeburten und der
gleichen erhebt.
Anders steht nun die Sache mit dem Publicum
auch nicht. Das Publicum ist ohne Frage aufmerksam
geworden auf die Dinge der Kunstindustrie und nimmt
regen lheil an dieser Bewegung, die ja ohne seinen
Antheil auc h gar n i c ht möglich wäre; zum Theil ist es
bereits kritisch, zum Theil steht es noch auf dem
Standpunkt der Bewunderung, der ja nach Goethe der
Anfang zum Kunstverständniss ist; zum anderen und
sehr grossen Theil aber bewegt es sich noch völlig in er
erbten Traditionen und ererbten Vorurtheilen und ist
schwer daraus emporzuscheuchen. Letzteres gilt ins
besondere von unseren Damen, nicht in Bezug auf ihre
Kritik über das, was andere schäften, sondern was sie
selber arbeiten. Unseren Damen ist der Geschmack an
geboren, folglich sind ihre Arbeiten geschmackvoll.
Unglücklicher Weise sind nun aber die Damen
und mit ihnen, da sie ja den Geschmack vertreten, das
ganze Publicum selbst Aussteller geworden, und müssen
also auch die Kritik über sich ergehen lassen. Es war