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ein guter Gedanke Eitelbergers, in der Weltausstellung
einmal die Arbeiten der weiblichen Hand, insbesondere
der Dilettantinnen und der weiblichen Schulen, vor die
Oeffentlichkeit und die öffentliche Kritik zu bringen.
War es auch vorauszusehen, dass der Anblick dieser
Specialausstellung nicht gerade ein Überaus glänzender
sein werde, so musste sie doch nothwendig zur Selbst-
erkenntniss führen; sie musste die Lücken, Fehler, Irr-
thümer, die falschen Richtungen zeigen und machte
dadurch die Besserung möglich. Schon das kann als
genügendes Resultat gelten.
Der Gedanke dieser Ausstellung bezog sich ur
sprünglich nur auf Oesterreich, aber da sich draussen
ähnliche Ideen und Bestrebungen regen, so fand er
vielfach Beifall. Es sind in Folge dessen höchst in
teressante Collectionen von Damenarbeiten eingesendet
worden, unter denen wir besonders die schwedischen
und die dänischen zu nennen haben. Fügen wir nun
hinzu, was die Fabriken und Kaufgeschäfte uns an
Mustern, Zeichnungen, Vorlagen, die für das Haus und
die häusliche Arbeit bestimmt sind, vorführen, so
können wir uns von dem populären Geschmack in diese
Richtung so ziemlich einen Begriff machen.
Wir haben gelegentlich bemerkt, dass die In
dustrie im Geschmack heute dem Publicum voraus ist;
zum Theil ist das bei den weiblichen Arbeiten um
gekehrt. Auf dem kirchlichen Gebiete freilich, wo sich
die Stickerei fast allein zu einer wahren Kunst erhebt,
vermag die Hand der Dilettantin in keiner Weise den
Arbeiten der Fabriken oder der berufenen Kunst-