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die noch ganz auf dem französischen Standpunkt von
1867 steht, eine Ausnahme: eine mit Pfeilern abge-
theilte Wand, dazwischen landschaftliche Felder, grosse
Blumenvasen davor, und von oben herab, von einem
architektonischen Gesims, zarte Gehänge, alles in duf
tigen Farben und grauer Stimmung gehalten.
Auch die englischen Decorateure haben ganze
Decorationen ausgestellt, die wenigstens auch bei ihnen
den Uebergang von den grauen Farben und den zer
streuten naturalistischen Blumen zu tieferer Färbung
und stilisirter Zeichnung erkennen lassen, nur haben
sie diese Zimmermodelle als Ausstellungsräume für
verschiedenartiges Mobiliar benützt und damit den
harmonischen Eindruck gestört.
So sind auch die deutschen Versuche dieser
Alt, zum Beispiel die Renaissancezimmer, durch die
Ueberfülle der Gegenstände in ihnen und neben ihnen
in ihrer Wirkung beeinträchtigt. Consequenter haben
es die Wiener Tapezierer gemacht, die in abgeschlos
sener Collectivausstellung uns eine Reihe vollständig
eingerichteter Zimmer vorführen. Darunter giebt es nun
allerdings auch Seltsamkeiten, wie zum Beispiel einen
im Tapeziergeschmack auf das eleganteste in Rosa,
Blau und Grau gehaltenen Salon von S. Jaray, der
sogar die Wände dick in Rosa-Atlas tapeziert , weich
in Sopha-Art, wie ein Schutzmittel für die Köpfe, ob
wohl es unseres Wissens nicht Sitte ist, im Salon mit
den Köpfen gegen die Wand zu rennen; am Plafond
fehlen nicht der blaue Himmel und die rosenstreuenden
Kinder und auf dem Fussboden liegt ein grauer Teppich