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den Norden wie für den Süden, für den Osten wie für
den Westen.
Es scheint auf den ersten Blick, als sähe man in
dieser Abtheilung Alles, was der Orient an Geweben
schaffe. Da sind die blitzenden, von blankem Gold und
Silber schillernden Gewebe Indiens in Roth, Blau
und Violett, bei denen die ganze Fläche mit platten
Metallfäden durchzogen ist; da sieht man die bedruck
ten Kattune mit indischen Palmetten, mit stilisirten
persischen Blumen, bei denen es auch wohl einmal pas-
sirt, dass eine reizende blumige, mit bunten Vögeln
verzierte Lackmalerei von einem indischen Buchdeckel
als Muster für eine Bettdecke hat dienen müssen. Da
sieht man die gestreiften und carrirten Stoffe Aegyp
tens oder wie sie sonst im Norden Afrika’s üblich sind.
Da findet man die horizontal gestreiften und klein ge
schachten farbenreichen Möbel- und Vorhängstoffe Spa
niens und der Türkei in Baumwolle nachgeahmt und
wohl auch mit für modernen europäischen Gebrauch
hergerichtet und bestimmt.
Ueberhaupt sieht man in diesem schweizerischen
Orient europäische Elemente und Motive an allen Ecken
und Enden. Diese leichten, gedruckten orientalischen
Gewebe sind längst aller Orten in Europa in den nie
deren Volksgebrauch eingeführt, und wissen von den
Wandlungen zu erzählen, die sie hier erlitten haben.
Ihr Indisch-Roth, überhaupt ihre lebhaften Farben ha
ben sie wohl grösstentheils behalten, aber die Zeich
nung der Ornamente hat den orientalischen stilisirten
Charakter verloren; die naturalistische Weise ist an seine