MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

— 30 — 
den Norden wie für den Süden, für den Osten wie für 
den Westen. 
Es scheint auf den ersten Blick, als sähe man in 
dieser Abtheilung Alles, was der Orient an Geweben 
schaffe. Da sind die blitzenden, von blankem Gold und 
Silber schillernden Gewebe Indiens in Roth, Blau 
und Violett, bei denen die ganze Fläche mit platten 
Metallfäden durchzogen ist; da sieht man die bedruck 
ten Kattune mit indischen Palmetten, mit stilisirten 
persischen Blumen, bei denen es auch wohl einmal pas- 
sirt, dass eine reizende blumige, mit bunten Vögeln 
verzierte Lackmalerei von einem indischen Buchdeckel 
als Muster für eine Bettdecke hat dienen müssen. Da 
sieht man die gestreiften und carrirten Stoffe Aegyp 
tens oder wie sie sonst im Norden Afrika’s üblich sind. 
Da findet man die horizontal gestreiften und klein ge 
schachten farbenreichen Möbel- und Vorhängstoffe Spa 
niens und der Türkei in Baumwolle nachgeahmt und 
wohl auch mit für modernen europäischen Gebrauch 
hergerichtet und bestimmt. 
Ueberhaupt sieht man in diesem schweizerischen 
Orient europäische Elemente und Motive an allen Ecken 
und Enden. Diese leichten, gedruckten orientalischen 
Gewebe sind längst aller Orten in Europa in den nie 
deren Volksgebrauch eingeführt, und wissen von den 
Wandlungen zu erzählen, die sie hier erlitten haben. 
Ihr Indisch-Roth, überhaupt ihre lebhaften Farben ha 
ben sie wohl grösstentheils behalten, aber die Zeich 
nung der Ornamente hat den orientalischen stilisirten 
Charakter verloren; die naturalistische Weise ist an seine
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.