Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

—  34  —

thümlichkeit  des  Landes.  Ich  meine  die  Holzschnitzereien. ­
  Diese  Gebirgsindustrie,  die  auch  bereits  für  den
Weltmarkt  arbeitet  und  mit  der  grossen  Industrie,  z.  B.
der  von  Paris,  in  enger  Verbindung  steht,  ist  vielfach
auch  anderswo  versucht  worden,  wie  im  Schwarzwalde,
die  der  Schweiz  behauptet  aber  ohne  Frage  noch  den
ersten  Rang.  In  dem  künstlerischen  Charakter  dieser
Gegenstände  herrscht  der  Naturalismus  vor  und  ebenso
der  reine  Luxus  statt  des  Gebrauchs.  Das  heisst:  die
wenigsten  dieser  Schnitzereien,  wie  sie  ausgestellt  sind,
dienen  irgend  einem  Gebrauche,  sei  es  als  Ornament
eines  Kastens  oder  sonstigen  Geräthes,  sondern  sie  sind
möglichst  naturgetreue  Nachbildungen  der  Fauna  und
der  Flora  des  Landes.  Gemsen,  Kühe,  Bernhardinei
Hunde  bilden  die  Lieblingsobjecte  dieser  Sculptur  und
das  muss  man  zugeben,  sie  sind  mit  grosser  Geschicklichkeit ­
  und  mit  treuem  Natursinn  wiedergegeben,  stieifen
  damit  aber  nur  an  eine  höhere  künstlerische  Auffassung. ­
  Es  wird  diese  Industrie  —  und  mit  vollem
Recht  —  durch  Schulen  unterstützt  und  gehoben,  aber
auch  in  den  Schulen,  wie  in  der  von  Meiring,  scheint
es  keine  andere  Auffassung  zu  geben.  Das  erkennt  man
wenigstens  in  den  Vorlagen,  die  zum  grössten  Theil  aus
Gipsabgüssen  bestehen,  welche  über  der  Natur  selbst,
über  Blatt  und  Blume  abgeformt  sind.  Für  einen  richtigen ­
  Kunstunterricht  sind  aber  solche  Vorlagen  wegen
des  Uebermaasses  und  der  Zufälligkeiten  ihres  Details
von  sehr  geringem  Nutzen.  Auch  diejenigen  Gegenstände ­
  dieser  Holzschnitzereien,  welche  zum  Gebrauche
bestimmt  sind,  wie  z.  B.  Sessel  oder  Bilderrahmen,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.