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den Weltmarkt, seine Kunst den Geschmack beherrschte.
Noch die Porzellane von Haag und Amsterdam aus
dem 18. Jahrhundert sind heute gesuchte und geschätzte
Gegenstände.
Wohin ist Holland heute gekommen mit seiner
Industrie? Wo sehen wir in seiner Abtheilung auf un
serer Weltausstellung die Rivalen der ehemals zahlrei
chen und kunstfertigen Faiencefabrikanten von Delft
und anderen Orten? Wo die Nachfolger jener Gold
schmiede, Bildschnitzer und Möbeltischler? Es scheint,
Mynheer ist wohl ein guter Rechenmeister geblieben,
aber die Rührigkeit, die Lust, künstlerisch zu schaffen
und zu arbeiten, sind ihm abhanden gekommen.
Wollen wir wissen, was Mynheer heute am mei
sten schätzt, so brauchen wir nur in seiner Ausstellung
den Gegenstand aufzusuchen, dem er den bevorzugten
Platz angewiesen und dem er den grössten ornamen
talen Aufwand hat angedeihen lassen. Da fällt unser
Blick recht in der Mitte auf ein grosses pyramidales
Monument, an dessen marmornem Russe vier geflügelte
Löwen Wache halten, während die Spitze von einer
weiblichen Figur mit einer Kanne in der einen und
einem Becher in der andern Hand gekrönt wird. Und
dieser ganze, alles überragende monumentale Bau ist
kunstreich aus Flaschen und steinernen Krügen zusam
mengesetzt, welche die Aufschriften: Ginevre, Creme
de Cacao, Creme de Mocca, und andere edle Namen
aus solchen patrizischen Geschlechtern tragen. Man
sieht, der Holländer hat noch Geschmack, wenn nicht
den der Ostade, Brouwer, Craesbeke, Molenaer, so doch
Falke, Kunstindustrie. 4