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der Personen, welche diese grossen Künstler auf ihren
Gemälden uns verewigt haben.
Den nächsten Rang nach der Gin-Pyramide be
hauptet eine Collectivausstellung in einem reich deco-
rirten, roth ausgeschlagenen Salon, aus welchem es
uns schon von fern wie weisse Marmorbilder entgegen
leuchtet. Die Büsten des Königs und der Königin, die
Statuen der Diana von Gabii und die Venus von Milo
sehen uns an, doch — «was hat man dir, du armes
Kind gethan?« möchten wir fragen. Nicht weisser Mar
mor ist es, sondern Stearingüsse haben wir vor uns,
verherrlicht durch die Nachbarschaft bekannter Kerzen
pyramiden. Auch Holland hat diese Geschmacklosigkeit
begangen, die uns zahlreich und am grossartigsten in
der Rotunde entgegentritt. Die Milly-Plastik erscheint
auf der Ausstellung so bedeutsam, dass eine eigene
Professur dafür an den Akademien bereits unausbleib
lich erscheint. Wir eröffnen hiemit die Agitation.
Auf dem dritten Range endlich stossen wir auf
wirkliche Kunstindustriegegenstände, die uns aber wenig
Interesse abnöthigen. Da sehen wir zunächst an der
Hauptwand eine Reihe grosser Fussteppiche, die inso-
ferne wenigstens auf dem modernen Standpunkt stehen, '
als sie den orientalischen Typus oder das Princip der
Stilisirung des Ornaments angenommen haben. Von
Blumennaturalismus ist nur noch ein einziges Beispiel
in einer runden Decke vorhanden, die den Eindruck
einer Damenstickerei macht. Die Industrie ist in dieser
Beziehung dem Geschmack in den Frauenarbeiten vor
ausgeeilt. Zum andern fallen uns zwei Vitrinen mit