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cialität möge noch die Ausstellung von Arbeiten in
Rohrgeflecht (von van Oye van Duesne in Brüssel),
Matten, Stühle, Körbe u. s. w. Erwähnung finden.
Der einzige Kunstindustriezweig Belgiens, welcher
in seinem Arrangement wie nach Zahl und Gegenstand
bedeutend auftritt, ist seine Spitzenfabrication. Wir
finden diese duftig zarten Arbeiten in einem Raume
beisammen von jedem Genre, in Weiss wie in Schwarz,
ganze Kleider bedeckend, als Shawls, als Schleier, Kra
gen, Manchetten, Kanten u. s. w. Da wir in der zwei
ten Abtheilung unserer Berichte auf diesen Kunstzweig
zurückzukommen gedenken, so sei hier nur vorläufig
dei künstlerische Charakter der belgischen Arbeiten er
wähnt. Im Gegensatz zu den heute vielfach wieder
aufgenommenen regelmässigen venezianischen Mustern
henseht hier entschieden noch der Naturalismus, aber
in einer sehr zierlichen Weise, zu welcher die zarte
Arbeit wie von selber zwingt. Feine Blumen, Ranken
und Blätter verbreiten sich als Gehänge Über den durch
sichtigen Stoff oder erscheinen federartig wie angeflogen.
Andere Arbeiten halten sich auch in der Verzierung an
die alten Brabanter Spitzen aus der zweiten Hälfte des
17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Arbei
ten, die in Bezug auf Feinheit und Solidität heute immer
noch voranstehen, mit ihren unruhigen, meist schlecht
gezeichneten Ornamenten aber keineswegs mustergültig
sind. So erscheint der Geschmack Belgiens auch hier,
wo wir bessere Einsicht erhalten, in Schwankung und
Uebergang.