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Fast das Gegentheil möchte man bei Dänemark
annehmen. Dänemark ist keineswegs ein industrielles
Land wie Belgien, ja es ist bei weitem eher das Gegen
theil, und dennoch macht seine Kunstindustrie einen
durchaus vortheilhaften Eindruck, der sogar nicht ohne
eine eigenthümliche Seite ist. Das liegt wohl mit
darin, dass es zum grössten Theil nur die schöne, rüh
rige und intelligente Hauptstadt ist, welche zu dieser
Seite der Ausstellung beigetragen hat, mehr aber noch
in einem anderen Umstande. Dänemark hat das Glück
gehabt, einen grossen Mann geboren zu haben, der sei
ner Zeit mächtige Impulse gegeben und die Kunst, die
er übte, aus falschen Bahnen herausgerissen und zu
neuer Höhe geführt hat. Das Andenken Thorwaldsens
scheint wie ein Segen auf der Kunst und der Industrie
seines Landes zu ruhen. Sein Einfluss hat nicht bloss
die ganze Kunstthätigkeit Dänemarks emporgehoben,
seine Nachwirkung scheint noch heute jede Arbeit zu
adeln und ihr den ruhigen, vornehmen, massvollen Cha
rakter zu verleihen, der seine eigenen Arbeiten so aus
zeichnet.
Das ist in der That der allgemeine Charakter der
Gegenstände, die wir sehen; es ist eine gewisse No
blesse, Feinheit, ein Streben nach edler, gemessener Hal
tung, das die Ausstellung kennzeichnet; nur selten, dass
banale Gegenstände den günstigen Eindruck stören.
Hierin liegt die eigenthümliche Seite der dänischen
Kunstindustrie, die sonst auf modernem Standpunkte
steht und Originelles oder Absonderliches nicht anstrebt.