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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Fast das Gegentheil möchte man bei Dänemark 
annehmen. Dänemark ist keineswegs ein industrielles 
Land wie Belgien, ja es ist bei weitem eher das Gegen 
theil, und dennoch macht seine Kunstindustrie einen 
durchaus vortheilhaften Eindruck, der sogar nicht ohne 
eine eigenthümliche Seite ist. Das liegt wohl mit 
darin, dass es zum grössten Theil nur die schöne, rüh 
rige und intelligente Hauptstadt ist, welche zu dieser 
Seite der Ausstellung beigetragen hat, mehr aber noch 
in einem anderen Umstande. Dänemark hat das Glück 
gehabt, einen grossen Mann geboren zu haben, der sei 
ner Zeit mächtige Impulse gegeben und die Kunst, die 
er übte, aus falschen Bahnen herausgerissen und zu 
neuer Höhe geführt hat. Das Andenken Thorwaldsens 
scheint wie ein Segen auf der Kunst und der Industrie 
seines Landes zu ruhen. Sein Einfluss hat nicht bloss 
die ganze Kunstthätigkeit Dänemarks emporgehoben, 
seine Nachwirkung scheint noch heute jede Arbeit zu 
adeln und ihr den ruhigen, vornehmen, massvollen Cha 
rakter zu verleihen, der seine eigenen Arbeiten so aus 
zeichnet. 
Das ist in der That der allgemeine Charakter der 
Gegenstände, die wir sehen; es ist eine gewisse No 
blesse, Feinheit, ein Streben nach edler, gemessener Hal 
tung, das die Ausstellung kennzeichnet; nur selten, dass 
banale Gegenstände den günstigen Eindruck stören. 
Hierin liegt die eigenthümliche Seite der dänischen 
Kunstindustrie, die sonst auf modernem Standpunkte 
steht und Originelles oder Absonderliches nicht anstrebt.
	        
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