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Wenn wir nach dieser Seite der modernen Indu
strie von Portugal nichts Neues und Bedeutendes er
wartet haben, so waren wir doch in anderer Weise ge
spannt auf das, was die Ausstellung bringen würde,
nämlich in Bezug auf die nationale Industrie und die
häusliche Kunst. Verschiedene Gegenstände dieser Art auf
der Pariser Ausstellung hatten bereits Aufmerksamkeit
erweckt, wir müssen aber gestehen, dass von Seite der
portugiesischen Commission der nationalen Hausindu
strie nicht die Beachtung geschenkt worden ist, die sie
verdient.
In jedem Falle existirt mehr davon, als wir auf
der Ausstellung sehen. Dies schliessen wir aus den
kleinen Costümfiguren, die, in Mannequinform alle
eigenthümlichen Menschen- und Volkstypen des Landes
darstellend, in grosser Anzahl ausgestellt sind. Hier
sieht man alle verschiedenen Figuren aus der Geistlich
keit, Bauern und Bäuerinnen verschiedener Gegenden,
Fischer und Sfeeleute, Bettler und anderes Gesindel,
und was ein malerisches Auge erfreut, alles gut und
charakteristisch ausgeführt. Diese Statuetten werden
wohl jeden, der nach Volkstrachten und anderen
nationalen Eigenthümlichkeiten sucht, auf den ersten
Blick ein wenig enttäuschen. Altes ist an ihnen we
nig zu sehen, Frack und Cylinder herrschen wie in.
Irland, so auch bei dem portugiesischen Landvolk vor,
und man könnte daher, wenn man wollte, dasselbe vor
geschrittener nennen als uns selber, da unsere Salon
tracht — und dieses ist ja das Schicksal aller Mode