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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

dort schon zur gemeinen Tracht geworden ist. Bei 
Matrosen und Fischern sehen wir die rothe phrygische 
Mütze wie in Neapel, also auch nichts Besonderes. Da 
gegen erkennen wir auf den Miedern und Brusteinsätzen 
der Frauen Stickereien, die trotz der Kleinheit uns den 
Anblick der Originale wünschenswerth erscheinen las 
sen. Leider fehlen sie auf der Ausstellung. Ebenso sind 
Ohren, Hals und Brust vielfach mit goldenem Schmuck 
behängt und besetzt, der sicherlich nicht ohne Eigen- 
thümlichkeit ist. 
Von diesem letzteren Frauenschmuck können wir uns 
schon eher einen Begriff machen, nämlich aus den klei 
nen Schmuckarbeiten, welche zahlreich gleich am Ein 
gang in die portugiesische Abtheilung ausgestellt sind. 
Die zierlichen Gegenstände verschiedener Art und ver 
schiedener Bestimmung gleichen sich alle in ihrer net 
ten Ausführung, insbesondere aber darin, dass die An 
wendung des Filigrans ihnen wesentlich und charak 
teristisch ist. Wo dieses Ornament des feinen ausgezo 
genen Metallfadens mit seinen zierlichen Windungen 
und Spiralen in einiger Menge auftritt, da können wir 
immer auf einen engen Zusammenhang mit der natio 
nalen Industrie schliessen, denn die moderne Gold, 
schmiedekunst hatte diese reizende Verzierungsweise 
gänzlich aufgegeben. Vor wenigen Jahren kannte nur 
noch die Volkstracht das Filigran. Seitdem ist es aber 
ganz neuerdings in verschiedenen Ländern von der In 
dustrie aufgenommen und man hat verschiedentlich ver 
sucht, es in den modernen Gebrauch einzuführen. So
	        
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