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wenn die Gäste ihm Zeit Hessen. Das österreichische
Museum besitzt ein Stück von seiner Hand.
Auch die Zeit der christlichen Herrschaft nach der
Unterwerfung Granadas und Vertreibung des letzten
Maurenfürsten, die Zeit Isabella’s und der ersten Habs
burger hatte eine blühende Industrie. Das Gold Ame
ricas schaffte der Goldschmiedekunst Spaniens Mate
rial, half sie aber auch wieder zerstören, indem es
durch leichten und bequemen Gewinn den Werth des
blanken Metalls vor der kunstreichen Arbeit schätzen
lehrte. Die Waffen und sonstigen Eisenarbeiten Toledos
und Madrids, die elastischen Klingen, die in Stahl
geschnittenen Degengriffe, die goldtauschirten Rüstungs
stücke und Geräthe, sie bilden noch heute den begehr
ten Stolz der Kunstfreunde, die Perlen der Waffen
sammlungen. Die Goldtapeten, die geschnittenen und
gepressten Lederarbeiten Cordovas, man fand sie vor
Zeiten in ganz Europa; die weissen Kirchenspitzen, die
Goldspitzen und Goldborten, die schwarzen Spitzen
schleier und Spitzenmantillen: der heilige und der pro
fane Gebrauch, die Frömmigkeit und die Eitelkeit
sicherten ihnen lange Zeit geschickte Hände und eine
blühende Industrie. Die Holzschnitzerei, figürlich wie
ornamental, zu frommem wie zu weltlichem Dienst und
zuweilen an Altären von Künstlern ersten Ranges ge
übt, hat uns hie und da aus dem sechzehnten und
siebenzehnten Jahrhundert noch Arbeiten hinterlassen,
die unsere höchste Bewunderung erregen.
Was von alledem sehen wir heute in der spani
schen Ausstellung? welche Kunstzweige sind geblieben