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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

III. A. Das Gymnasium. 
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III. Die Mittelschule. 
A. Gymnasien. 
Seit die Gegenreformation einen vollständigen Umsturz der früheren 
Anstalten für humanistischen Mittelschul-Unterricht J ) mit sich gebracht hatte, 
trug derselbe auch in den österreichischen Lateinschulen vorwiegend das 
Gepräge, welches die ratio et institutio studiorum Acquaviva’s den Anstalten 
des Jesuitcn-Ordens in den verschiedensten Ländern gemeinsam aufdrückte, 
und die Entstehung der einzelnen Jesuiten-Gymnasien in Oesterreich steht 
in engstem Zusammenhänge mit den Eortschritten der Gegenreformation. 2 ) 
Die Scheidung des ganzen Bildungsganges in 3 Grammatikalclassen 
(Rudiment, Grammatik, Syntax) mit oder ohne Vorbereitungsclasse, 2 Humani 
tätseiassen (Poetik, Rhetorik) und 2—3 philosophische Obligat-Jahr 
gänge (Logik, Physik, Metaphysik), die fast ausschliessende Bevorzugung 
einer möglichst vollständigen Aneignung der lateinischen Sprache, als der 
Sprache der christlichen Ueberlieferung, in Wort und Schrift, die bloss gele 
gentliche Berücksichtigung der Realien („Erudition”) während der studia in- 
feriora (Grammatikal- und Humanitätsclassen) und die Verweisung ihrer ganzen 
Wucht in die studia superiora sind allbekannt. Der Orden war in Leitung 
seines Unterrichtswesens vom Staate unabhängig, entwarf die Lehrpläne, be 
stellte und entliess die Lehrer, bloss nach den Weisungen des Ordensgenerals 
in Rom. 
Doch befanden sich die Jesuiten keineswegs im Alleinbesitze des Unter 
richtes an den österreichischen Gymnasien. Schon während des XVII., noch 
1) Unter denselben ragten die nach dem Erziehungs-Systeme Melancbthon’s eingerichteten 
30 protestantischen Gymnasien Böhmens und Mährens hervor, welche unter der Leitung der Prager 
Universität standen. Den Schulordnungen derselben nächstverwandt war die vom ständischen Ver- 
ordneten-Collegium genehmigte für das evangelische Gymnasium zu Laibach und für die Akademie 
zu Klagenfurt. Im eigentlichen Oesterreich bestand ein ähnliches Gymnasium zu Loosdorf; irn Lande 
ob der Enns erfreuten sich die „adelige Landschaftsschule” zu Linz und das Gymnasium zu Steyr 
besonderer Blüte. 
2) Zur Zeit M. Thercsia’s bestanden folgende Jesuiten-Gymnasien: 
In Oesterreich unter der Enns: Wien (am Hof und nächst der Universität), Wr. Neustadt, 
Krems; 
in Oesterreich ob der Enns: Linz, Steyr; 
in Steiermark: Gratz, Leoben, Judenburg, Marburg; 
in Karnthen: Klagenfurt; 
in Krain: Laibach; 
im Küstenlande: Garz; 
in Tirol und Vorarlberg: Innsbruck, Hall; 
in Böhmen: Prag ! Utstadt, Kleinseite, Neustadt), Krumuu, Breznie, Klattau, Eger,. Duppau, 
Komatau, Leitmertz, Jüan, Küniggrätz und Kuuenherg: 
in Mauren: Biainn elnuibr, Cnyacimdl -üradiseh.* Liuim. ig'.-iu und leie, 
im äuiiliisium:: Tfrapnau. ind Teseben.
	        
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