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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

Philosophischer Lohrplan von 1774. 
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Dotirung nicht fortbestehen, und aus den Stiftungscapitalien wurden Stipendien 
gegründet; die Seminarien an den meisten anderen Gymnasien erloschen von selbst. 
Aber eben so unaufschiebbar war eine bessere, vollständige, gleichförmige 
Einrichtung der verbleibenden Gymnasien und philosophischen Lehranstalten 
und schon am 3. October 1774 erhielt ein wesentlich unter Martini’s Be 
theiligung zu Stande gebrachter Plan für die philosophischen Studien die kaiser 
liche Genehmigung. 
Er machte die mathematisch-physikalischen Studien auch für die Candidaten 
der Theologie obligat und reihte die gesammten Lehrgegenstände dergestalt, 
dass im I. Jahrgange Logik (mit Yoraussendung des Wesentlichsten der Psycho 
logie), Metaphysik, Ethik (Moral-und Rechts-Philosophie) und die Elemente der 
reinen Mathematik, im II. Jahrgange Physik und angewandte Mathematik ge 
lehrt werden sollten. Die „Politik” ging nach und nach auch formell an die 
juridische Studien-Abtheilung über; Geschichte sammt ihren Hilfswissenschaften, 
Naturgeschichte, höhere Mathematik und Astronomie, Aesthetik, classische und 
deutsche Literatur, sowie neuere Sprachen sollten als freie Lehrgegenstände be 
trachtet werden. Stifte und Klöster wurden aufgefordert, insbesondere die 
historischen und mathematischen Wissenschaften zu pflegen, damit „unter dem 
erquickenden Schatten der geistlichen Ruhe und Zufriedenheit die Wissenschaften 
zur Freude und Wohlfahrt des menschlichen Geschlechts bald aufblühen.” 
Länger währte es, bis über die Reorganisation der eigentlichen Gymnasien 
ein Beschluss gefasst wurde. Yon einer Seite wurde möglichster Anschluss an 
die Lehrmethode der Jesuiten vertheidigt, von der anderen Herstellung einer 
Gemeinsamkeit der Hnterrichts- und Bildungs-Zustände mit jenen vorgeschrittenerer 
deutscher Länder in der Ueberzeugung angestrebt, man könne es in der Durch 
führung recht wohl jenen Ländern noch zuvorthun. Der bedeutsamste Lehrplan 
in letzterem Sinne war das Werk des Wiener Professors J. M. v. Hess, welcher 
den Grundriss einer völlig neuen Einrichtung der österreichischen Gymnasien 
entwarf. 
Er betrachtete die Gymnasien als Vorbereitungs-Anstalten für höhere 
wissenschaftliche Studien auf Grund einer allgemeinen Bildung und liess nur 
in untergeordneter Weise ihre gleichzeitige Gestaltung zu Yorbereitungsschulen 
für gewisse praktische Berufsarten zu. Auch er war begeistert für die damals 
vielgeltende sokratische Lehrmethode, unter welcher er aber nur eine dialogische 
Form der Mittheilung und Erörterung bei dem Hnterrichte verstand. Er be 
tonte sehr stark das stufenmässige Aufsteigen, die anregende Kraft, die Indivi- 
dualisirung des Unterrichts, und legte ein grosses Gewicht auf das erziehende 
Moment, welches in jedem Unterrichtsfachs liegt. Ein ganz veränderter Geist 
sollte demnach in das österreichische Gymnasialwesen kommen. 
Gymnasien mit 5 Classen und Akademieen mit 2 Jahrgängen sollten zwar 
als getrennte Lehranstalten bestehen, aber ein solcher Zusammenhang zwischen 
beiden hergestellt werden, dass alle Kenntnisse, welche auf den Gymnasien ge-
	        
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