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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

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Die josephmische Zeit. 
richten und zu diesem Ende die Lecture der schon sonst vorgeschriebenen 
Classiker, wenigstens nach den in die Schulbücher eingeschalteten Auszügen, 
fleissig zu betreiben. Deutsche Ausarbeitungen sind stets mit den lateinischen 
zu verbinden.” 
„Hingegen ist der Unterricht im Griechischen für die Humanitätsclassen 
ein freier, und den übrigen „Neben-Lehrgogcnständen” (Geschichte, Geographie, 
Mathematik, Naturgeschichte, Physik) sind nur wenige Lehrstunden der ein 
zelnen Classen gewidmet.” 
„Die erziehende Thätigkeit der Schule steht im Vordergründe; nachsichts 
lose Strenge gegen Ausgelassenheit, regelmässiges (knieend zu verrichtendes) 
Schulgebet, Vortrag erbaulicher Erzählungen sind ihre Mittel. Belohnungen 
und Strafen sollen mit reifer Ueberlegung und strengster Unparteilichkeit ange 
wendet werden; Schläge oder erniedrigende Strafen sind möglichst zu vermeiden.” 
„Nach dem Schlüsse des ersten Halbjahres finden die österlichen, nach 
dem Schlüsse des zweiten Halbjahres die herbstlichen Prüfungen öffentlich statt. 
Zu denselben legt jeder Lehrer eine schriftliche Prüfungsarbeit sämmtlicher 
Schüler und eine gewissenhafte Classification derselben nach vier Rubriken vor, 
deren Gesammtergebniss mit angemessener Feierlichkeit bekannt gemacht wird. 
Die Angehörigen ganz ungeeignet befundener Schüler sind sofort einzuladen, 
dieselben von dem Gymnasium zurückzuziehen. Wiederholung der Classe darf 
nur ein einziges Mal eintreten.” 
Der Religions-Unterricht wurde den Bischöfen übergeben, sollte jedoch 
ausschliessend nach dem Felbiger’schen Katechismus ertheilt werden. 
Noch war der neue Lehrplan für die Gymnasien, welcher erst allinälig 
mit dem Erscheinen entsprechender Lehrbücher in das Leben treten konnte, 
im letzten Stadium seiner Durchführung begriffen 1 ), als Kaiser Joseph. II. 
die Regierung antrat. 
So gross sein Verdienst um die Volksschule, so eigenthümlich war 
seine Stellung gegenüber dem mittleren und höheren Unterrichte. Er hatte 
bei verschiedenen Anlässen die Schattenseiten xmpraktischer Gelehrsamkeit 
kennen gelernt und theilte die in der Zeitströmung liegende Unterschätzung 
derselben; ihm waren die Mittel- und Hochschulen nur Anstalten zur Heran 
bildung von Staatsdienern, Aerzten oder Seelsorgern. Jene Beförderung allge 
meiner Bildung, welche Hess den Gymnasien als Ziel vorgesetzt hatte, schien 
dem Kaiser eine Utopie, deren Realisirung unmöglich Aufgabe einer Staats 
anstalt sein könne, indem höchstens einzelne, besonders wohl organisirte Talente 
dazu berufen seien und diese ihren eigenen Weg gehen, im äussersten Falle 
hier und da der Unterstützung bedürfen. Eine gesittete Jugend erschien ihm 
nothwendiger, als eine über das Maas der auf unmittelbaren Nutzen abzielenden 
Studien hinaus gebildete. 
1) Marx fungirle als director Immaniorum 1 775—1784.
	        
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