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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

Viel minder günstig lautete das Gutachten hinsichtlich der höheren Studien. 
Es ging von dem Grundsätze aus, dass „seihst die leitende Menschenclasse 
nicht mit Kenntnissen luxuriren solle, da eine schiefe Gelehrsamkeit sehr ge 
fährlich in Anwendung auf das gemeine Leben ist und wahre Gründlichkeit doch 
nur das Loos weniger Menschen sein kann. Es wäre demnach zu wünschen, 
1) dass die gemeine Gattung der Geschäftsmänner und Seelsorger nur homines 
unius negotii wären und sich daher ganz auf die Unterrichts-Gegenstände ver 
legten, die einen unmittelbaren Nutzen für ihr Berufsgeschäft gewähren, 2) dass, 
ohne sich eine eigene Theorie über die zur Ausübung zu bringenden Grundsätze 
und Verhaltungsregeln auszuklügeln, sie darein ihr Hauptverdienst setzten, in 
dieser Kunst einen hohen Grad von Uebung und Vollkommenheit zu erlangen.” 
Doch finden sich im Einzelnen, abgesehen von der Furcht vor Philosophie 
und Geschichte, manche plausible Ideen. „Ein allgemeines Bedürfniss für alle 
gebildeten Menschen ist, richtig zu denken; dazu zu gelangen, können die 
Uebungen des Geistes nicht zu häufig sein. Der höhere Studiencurs muss daher 
mit der Logik und Metaphysik anfangen. Ob die Metaphysik nach dieser oder 
jener Philosophie gelehrt würde, wäre einerlei, wenn nicht die 
neueren Systeme schon in der Metaphysik die Grundideen zu einer gefährlichen 
Theologie oder Sittenlehre, zu einem gefährlichen Naturrechte und allgemeinen 
Staatsrechte gelegt hätten Von der unentbehrlichsten Nothwendig- 
keit für einen Jeden, dessen Berufsgeschäft ist zu denken, sind die mathematischen 
Wissenschaften Naturgeschichte und Naturlehre sind dem gebildeten 
Menschen in jedem Berufe nützlich Die Geschichte der menschlichen 
Handlungen und Meinungen ist in gewissen Beziehungen allen gebildeten Menschen 
nothwendig noch ausser dem Elementar-Unterrichte, den man im 
Gymnasium erhält Die allgemeine sowohl als Landes-Geschichte 
müssen, ohne der Wahrheit ungetreu zu werden, mit einer sehr sorgfältigen 
Wahl der Gegenstände und mit den zur Milderung eines jeden 
schädlichen Eindrucks dienenden Hellexionen dem grossen Haufen der Studirendcn 
vorgetragen werden. Der philosophische Curs wird mit der Aesthetik und 
philosophischen Erklärung der classischen Schriftsteller begleitet. Um aber das 
classische Latein den Schülern recht geläufig zu machen, sollte man die Sprech 
übung durch alle Semester des philosophischen Curses fortsetzen.” 
Die Zahl der so organisirten philosophischen Curse solle vervielfältigt 
werden; hingegen könnten vollständigere höhere Curse an zwei oder drei Uni 
versitäten Platz greifen. „So würden die für einen unreifen Verstand und für 
mittelmässige oder zur Schwärmerei geneigte Köpfe unnützen und zum Theilo 
gefährlichen Studien den nur zur gemeinen Verwendung geeigneten Geschäfts 
männern aller Art aus den Augen gerückt, Jenen hingegen, die einen längeren 
Curs, mehr Aufwand und den Zeitverlust in der Eröffnung einer höheren Lauf 
bahn daran wagen wollen, würde keine Gelegenheit zur Erweiterung ihrer 
Kenntnisse entzogen.”
	        
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