Viel minder günstig lautete das Gutachten hinsichtlich der höheren Studien.
Es ging von dem Grundsätze aus, dass „seihst die leitende Menschenclasse
nicht mit Kenntnissen luxuriren solle, da eine schiefe Gelehrsamkeit sehr ge
fährlich in Anwendung auf das gemeine Leben ist und wahre Gründlichkeit doch
nur das Loos weniger Menschen sein kann. Es wäre demnach zu wünschen,
1) dass die gemeine Gattung der Geschäftsmänner und Seelsorger nur homines
unius negotii wären und sich daher ganz auf die Unterrichts-Gegenstände ver
legten, die einen unmittelbaren Nutzen für ihr Berufsgeschäft gewähren, 2) dass,
ohne sich eine eigene Theorie über die zur Ausübung zu bringenden Grundsätze
und Verhaltungsregeln auszuklügeln, sie darein ihr Hauptverdienst setzten, in
dieser Kunst einen hohen Grad von Uebung und Vollkommenheit zu erlangen.”
Doch finden sich im Einzelnen, abgesehen von der Furcht vor Philosophie
und Geschichte, manche plausible Ideen. „Ein allgemeines Bedürfniss für alle
gebildeten Menschen ist, richtig zu denken; dazu zu gelangen, können die
Uebungen des Geistes nicht zu häufig sein. Der höhere Studiencurs muss daher
mit der Logik und Metaphysik anfangen. Ob die Metaphysik nach dieser oder
jener Philosophie gelehrt würde, wäre einerlei, wenn nicht die
neueren Systeme schon in der Metaphysik die Grundideen zu einer gefährlichen
Theologie oder Sittenlehre, zu einem gefährlichen Naturrechte und allgemeinen
Staatsrechte gelegt hätten Von der unentbehrlichsten Nothwendig-
keit für einen Jeden, dessen Berufsgeschäft ist zu denken, sind die mathematischen
Wissenschaften Naturgeschichte und Naturlehre sind dem gebildeten
Menschen in jedem Berufe nützlich Die Geschichte der menschlichen
Handlungen und Meinungen ist in gewissen Beziehungen allen gebildeten Menschen
nothwendig noch ausser dem Elementar-Unterrichte, den man im
Gymnasium erhält Die allgemeine sowohl als Landes-Geschichte
müssen, ohne der Wahrheit ungetreu zu werden, mit einer sehr sorgfältigen
Wahl der Gegenstände und mit den zur Milderung eines jeden
schädlichen Eindrucks dienenden Hellexionen dem grossen Haufen der Studirendcn
vorgetragen werden. Der philosophische Curs wird mit der Aesthetik und
philosophischen Erklärung der classischen Schriftsteller begleitet. Um aber das
classische Latein den Schülern recht geläufig zu machen, sollte man die Sprech
übung durch alle Semester des philosophischen Curses fortsetzen.”
Die Zahl der so organisirten philosophischen Curse solle vervielfältigt
werden; hingegen könnten vollständigere höhere Curse an zwei oder drei Uni
versitäten Platz greifen. „So würden die für einen unreifen Verstand und für
mittelmässige oder zur Schwärmerei geneigte Köpfe unnützen und zum Theilo
gefährlichen Studien den nur zur gemeinen Verwendung geeigneten Geschäfts
männern aller Art aus den Augen gerückt, Jenen hingegen, die einen längeren
Curs, mehr Aufwand und den Zeitverlust in der Eröffnung einer höheren Lauf
bahn daran wagen wollen, würde keine Gelegenheit zur Erweiterung ihrer
Kenntnisse entzogen.”